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»Arisierung« Über den Umgang mit dem Unrechts-Erbe - Aryanisation: Dealing with the Injustice, Symposium, 3 November, Bremen, Germany

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Die Beraubung der jüdischen Bevölkerung war ein einträgliches Geschäft. Der Staat, viele Unternehmen und Privatleute profitierten von der »Arisierung« jüdischen Besitzes im  Nationalsozialismus – und tun es zum Teil, als Erben, bis heute.


Sammellager für jüdischen Besitz, 1943, Quelle: Stadtarchiv Oberhausen.

Der Umgang mit dem »Unrechts-Erbe« ist Thema eines öffentlichen Symposiums, das die Bremer Bürgerschaft und die tageszeitung (taz) zusammen mit dem Institut für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen veranstalten. Kooperationspartner sind die Landeszentrale für politische Bildung Bremen, die Heinrich-Böll-Stiftung Bremen, die Rosa Luxemburg Stiftung Bremen und die Friedrich-Naumann-Stiftung.

Ab 14 Uhr stellen Historikerinnen und Historiker den jeweiligen Forschungsstand in Bezug auf die Profit-Trias Fiskus, Firmen und Privatleute dar. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Frage, wie sich der heutige Umgang mit den NS-Erbschaften gestaltet. Hilde Schramm, die Tochter Albert Speers, stellt in diesem Kontext die Arbeit der von ihr mitgegründeten Stiftung »Zurückgeben« vor. Auch die Bremer Initiative für ein »Arisierungs«-Mahnmal wird zur Diskussion gestellt.

Bremen als Hafen- und Logistikstandort profitierte insbesondere vom Transport geraubten jüdischen Eigentums. Es wurde vielfach auf »Juden-Auktionen« versteigert. Als »kriegswichtig « galt die Ausstattung von Ausgebombten mit jüdischen Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen.

2017 jährt sich zum 75. Mal die Ankunft des ersten Frachters, der jüdischen Hausrat von Amsterdam nach Bremen brachte. Der damalige Gau Weser-Ems erhielt mit knapp 6.000 Waggon-Ladungen fast ein Drittel der unter den »Gauen« des Reichs verteilten jüdischen Habe aus den besetzten Ländern Westeuropas.

Das Symposium fokussiert sich daher nicht auf die Enteignung wertvoller Kunstwerke oder den   Zwangsverkauf von Immobilien. Es fragt stattdessen auch nach Verbleib und Bedeutung der weit weniger im Fokus stehenden »arisierten « Möbel und Alltagsgegenstände. Deren oft vergessene Existenz in vielen deutschen Haushalten verweist sowohl auf die Totalität der »Verwertung«  jüdischen Eigentums als auch die Schwierigkeit, einen angemessen Umgang mit diesem Erbe zu finden.

English translation:

The robbery of the Jewish population was a profitable business. The state, many companies and private individuals profited from the ‘Aryanization’ of Jewish possessions under National Socialism - and do so in part, as heirs, to this day.

Dealing with the "injustice inheritance" is the subject of a public symposium organized by Bremen's citizens and the daily newspaper (taz), together with the Institute of History of the University of Bremen. Co-operation partners are the Regional Centre for Political Education Bremen, the Heinrich Böll Foundation Bremen, the Rosa Luxemburg Foundation Bremen and the Friedrich Naumann Foundation.

From 2:00 pm, historians will present their respective research on the profits taken by the Treasury, companies and private individuals. Particular attention will be given to the question of how today's dealings with our Nazi legacies are being shaped. In this context, Hilde Schramm, the daughter of Albert Speer, presents the work of the Zurückgeben (Return) Foundation which she co-founded. The Bremen initiative for an ‘Aryanization’ memorial will also be discussed.

Bremen as a port and transport hub benefited in particular from the transport of stolen Jewish property. It was often auctioned in ‘Jew auctions’. The fitting out of bombed-out items with Jewish furniture and other furnishings was regarded as ‘important’.



2017 marks the 75th anniversary of the arrival of the first freight ship which brought Jewish household property from Amsterdam to Bremen. With just under 6,000 wagonloads, the Weser-Ems Gau (District) received almost a third of Jewish wealth from the occupied countries of Western Europe distributed among the Districts of the Reich.

The symposium therefore does not focus on the expropriation of valuable works of art or the foreclosure sale of real estate. Instead, it asks about the whereabouts and significance of the ‘aryanised’ furniture and everyday objects that are far less in focus. Their often forgotten existence in many German households points to the totality of the ‘exploitation’ of Jewish property as well as the difficulty of finding an appropriate resolution for this heritage.

Programmablauf

14 Uhr
Begrüßungen
Karoline Linnert, Bürgermeisterin und Finanzsenatorin der Freien Hansestadt Bremen
Prof. Dr. Martina Winkler, Direktorin des Instituts für Geschichtswissenschaft der Universität Bremen

14.15 Uhr
Vernetzte »Verwertung«: Die Arbeitsteilung zwischen Behörden, Gerichtsvollziehern und Spediteuren bei der Beraubung der jüdischen Bevölkerung am Beispiel Bremens
Johannes Beermann, Leiter der Abteilung Archiv und Dokumentation des Fritz Bauer Instituts Frankfurt/M.

Fragen & Diskussion

15 Uhr
Erinnern und Vergessen: Unternehmen und ihre Aufarbeitung der NS-Geschichte im Spannungsfeld von Öff entlichkeit, Politik und Ökonomie
Dr. Stefanie van de Kerkhof, Professurvertreterin für Wirtschafts-und Sozialgeschichte des Historischen Seminars der Universität Heidelberg

Fragen & Diskussion

15.45 Kaff eepause

16.15 Uhr
»Das Unrecht nahm Einzug in unzählige Haushalte«:Die Auseinandersetzung privater Erbinnen und Erben mit dem Thema »Arisierung«
Dr. Hilde Schramm, Stiftung Zurückgeben (Berlin)

Fragen & Diskussion

17 Uhr
Das Bremer Mahnmalprojekt, Kurzvorstellung

Fragen & Diskussion

17.30 Uhr Pause

19.30 Uhr
Grußwort
Christian Weber, Präsident der Bremischen Bürgerschaft/Landtag

Zum Umgang mit der »materiellen Seite« des Holocaust

Prof. Dr. Constantin Goschler, Professor für Zeitgeschichte an der Ruhr-Universität Bochum

Fragen & Abschluss-Diskussion

Tagungsort
Festsaal der Bremischen Bürgerschaft (Am Markt 20), 14 bis 21.30 Uhr, anschließend Möglichkeit zum  Get-together
Weitere Informationen und Anmeldung
bleyl@taz.de
Anfahrt mit öff entlichen Verkehrsmitteln:
Haltestelle Domsheide
Straßenbahn: Linien 2, 3, 4, 6 und 8
Bus: Linien 24 und 25
Anfahrt mit dem Pkw:
zum Parkhaus Violenstraße:
Altenwall – Ostertorstraße – Buchtstraße –
Violenstraße – Wilhadistraße

Source:
PDF of the Symposium available here.

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