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Gemälde von Fritz von Uhde gehört Museum Wiesbaden jetzt rechtmäßig - Fritz von Uhde painting now legally belongs to the Wiesbaden Museum

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Wiesbadener Tagblatt 8 September 2017
Von Birgitta Lamparth



WIESBADEN - Im Zuge der Provenienzforschung hatte das Landesmuseum Wiesbaden ein Gemälde an die Erben des jüdischen Verlegers und Kunstsammlers Rudolf Mosse zurückgegeben. Jetzt konnte das Museum mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Hessischen Kulturstiftung und der Ernst von Siemens Kunststiftung das Bild „Gang nach Bethlehem“ von Fritz von Uhde für 65.000 Euro wieder erwerben.

„Wir wollen kein Raubgut in der Sammlung“, macht der hessische Kunst- und Kulturminister Boris Rhein bei der Übergabe deutlich. Restitution heiße, sich aktiv der historischen Verantwortung zu stellen. Museumsdirektor Alexander Klar nennt solche Bilder in der Sammlung ein „Mahnmal der Unrechtsgeschichte Deutschlands“ und begrüßt, dass hier eine „einvernehmliche und faire Lösung“ gefunden wurde. Die Kaufsumme bezeichnete Peter Forster, Kustos für Alte Meister am Landesmuseum, als „sehr entgegenkommend“ von den Erben. Diese leben in den USA und werden durch Anwalt Jan Hegemann vertreten, der einen Wandel in der Auseinandersetzung mit dem Thema Restitution verzeichnet: „Früher war das ein zähes Unternehmen, das hat sich geändert“.

Basis für Restitutionen – einer Wiederherstellung der Besitzverhältnisse – ist die Washingtoner Erklärung: Ende der 90er Jahre erklärten sich die Unterzeichnerstaaten zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung bereit, Kunstwerke in öffentlichen Sammlungen an die rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Kunst, bei der ein NS-verfolgungsbedingter Entzug vorliegt. Auch bei dem Gemälde von Fritz von Uhde ist das der Fall.

Der Berliner Verleger Rudolf Mosse, der unter anderem die „Berliner Morgenpost“ herausgegeben hat, schuf für eine herausragende Kunstsammlung mit über 1200 Werken. Das 1890 bei Fritz von Uhde beauftragte Gemälde ist laut Peter Forster nicht nur in der Sammlung des Hauses, sondern auch im Werk des Malers ein Schlüsselwerk, das dafür stehe, religiöse Themen zu profanisieren. Das Bild zeigt ein Paar ohne Hab und Gut, in einer „zutiefst proletarischen Situation“ (Forster) inmitten einer kargen, winterlichen Landschaft.

Mosse starb 1920. Seine Erbin, Adoptivtochter Felicia Lachmann-Mosse, wurde von den Nazis enteignet. Die Werke der Sammlung Mosse kamen 1934 in eine Kunstauktion, ohne dass die Familie Erlöse daraus erhielt. Das Bild wurde für 7700 Reichsmark dort verkauft, hat Provenienzforscherin Miriam Olivia Merz recherchiert. Danach verliert sich für 46 Jahre seine Spur.

1980 kam es im Rahmen einer Schenkung von Rose und Friedrich Klein aus Wiesbaden zusammen mit 15 weiteren hochkarätigen Werken ins Museum Wiesbaden. Hier wurde vor drei Jahren die neue Hessische Zentralstelle für Provenienzforschung eingerichtet, auch und vor allem vor dem Hintergrund, dass Hermann Voss, Hitlers Sonderbeauftragter für das geplante „Führermuseum Linz“, in den 30er und 40er Jahren Museumsdirektor war. Es werden also vor allem Werke untersucht, die in dieser Zeit ins Haus kamen. Dass auch Werke belastet sein können, die erst später hinzukommen, zeigt sich jetzt: Aus der Schenkung Klein musste bereits vor drei Jahren ein Gemälde von Hans von Marées restituiert werden. Auch dieses Bild konnte für das Museum Wiesbaden angekauft werden. „Das ist ein schwieriges Konvolut“, räumt Peter Forster ein. Die fraglichen Werke der Schenkung stehen daher besonders auf dem Prüfstand.

http://www.wiesbadener-tagblatt.de/lokales/wiesbaden/nachrichten-wiesbaden/gemaelde-von-fritz-von-uhde-gehoert-museum-wiesbaden-jetzt-rechtmaessig_18165824.htm
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