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Noble Adresse für den Kunstkauf

1970
1945
Nachrichten 23 May 2012
von Bertram Müller

Auktionshaus Ketterer eröffnet eine Repräsentanz am historischen Künstlerverein Malkasten. Es ist nach Berlin und Hamburg die dritte Filiale des Auktionshauses. Diese Neueröffnung betont den Standort Düsseldorf für den internationalen Kunsthandel.

Jahrzehntelang war Christie's das einzige über die Stadtgrenzen hinaus tätige Auktionshaus, das eine Niederlassung in Düsseldorf unterhielt – sogar seine Deutschland-Zentrale. In den vergangenen Jahren und Monaten haben auch andere Versteigerer den Standort für sich entdeckt: das Wiener Dorotheum, die Berliner Villa Grisebach und jetzt ebenso das Münchner Unternehmen Ketterer Kunst. Zwar hält keines dieser Häuser seine Versteigerungen in Düsseldorf ab, doch gilt ihnen die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt als wichtiger Ort für den Erwerb von Kunstwerken, für Vorbesichtigungen von Arbeiten, die am jeweiligen Stammsitz unter den Hammer kommen, und für die Betreuung von Sammlern.

Lydia Kumor und Ralf Radtke von Ketterer haben für ihre neue Repräsentanz eine noble Adresse gewählt: Malkastenstraße 11, mit Blick auf die Ateliers des historischen Künstlervereins. Die rund 100 Quadratmeter großen Räume von Ketterer sind zurzeit gefüllt mit Bildern und Plastiken unter anderem von Ernst Ludwig Kirchner, Gabriele Münter, Emil Nolde, Serge Poliakoff und Pierre Soulages – allesamt Werke, die im Juni in München versteigert werden.

Radtke, der Ketterer bislang von Krefeld aus in Nordrhein-Westfalen repräsentierte, verspricht sich wie seine Kollegin Kumor vom Standort Düsseldorf, dass sie "näher am Rhein und damit zugegebenermaßen auch an der Konkurrenz" seien.

Nach Berlin und Hamburg ist dies die dritte Ketterer-Filiale. Das Angebot besteht vor allem aus klassischer Moderne und zeitgenössischer Kunst, von den Malern des Expressionismus bis zu Georg Baselitz und Neo Rauch.

Radke ist stolz darauf, dass Ketterer seine Kunstwerke nicht in erster Linie an Galeristen, sondern zu 80 Prozent an Privatleute versteigere: "Damit sind wir in dieser Hinsicht wohl die Nummer eins in Deutschland." Auf den Kunstskandal um den Fälscher Wolfgang Beltracchi angesprochen, weist er darauf hin, dass Ketterer davon nicht betroffen sei. Dennoch: "Ich will nicht sagen, dass uns das nicht passieren könnte; da wären wir unseriös."

Auch bei Ketterer wird nun noch mehr als zuvor auf die Provenienz eines Kunstwerks geachtet: Wo tun sich Lücken im Nachweis der Herkunft auf? Bloß Experten zu befragen sei zu wenig. Radke hält es mit dem alten Wolfgang Ketterer (1920–2009), dessen Devise gelautet habe: "Im Zweifelsfalle nein." In dem Maße, so Radke, in dem Kunden und Auktionshäuser bei Erwerbungen immer vorsichtiger würden, steige der Aufwand an Recherche. Doch hat die Vorsicht Grenzen: Jedes zur Versteigerung angebotene Kunstwerk nach naturwissenschaftlichen Methoden untersuchen zu lassen – das wäre denn doch des Guten zu viel.

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