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Aussee: Spekulationen um Kunstsch├Ątze in Gurlitt-Villa - Aussee: Speculation on art treasures in Gurlitt villa

1970
1945
Kleine Zeitung 14 March 2014


Jüngste Spekulationen stellen einen Zusammenhang mit der Villa des Kunstsammlers Wolfgang Gurlitt in Bad Aussee her, wo Gemälde aus dubioser Provenienz auch noch nach Kriegsende aufbewahrt worden sein sollen.

Gurlitt-Villa in Bad Aussee

Foto © Puls4Gurlitt-Villa in Bad Aussee

Der Privatsender "Puls4" berichtete in einer Reportage am Donnerstag und Freitag über das sogenannte "Dritte Haus" der Familie Gurlitt. Es war in Besitz von Wolfgang Gurlitt, Cousin von Hildebrand Gurlitt, dessen Kunstsammlung im Frühjahr 2012 in der Wohnung seines Sohnes Cornelius in München sichergestellt wurde. Unter Berufung auf das Staatsarchiv hieß es, Wolfgang Gurlitt habe hier schon 1943 seine Sammlung - darunter befindet sich etwa "Freunde" von Oskar Kokoschka - gelagert und Überführungslisten legten nahe, dass das Haus auch nach dem Krieg als Aufbewahrungsstätte gedient habe. Dies könnte auch heute noch der Fall sein, so die Mutmaßung des Senders.

Villa wurde verkauft

Wie Recherchen der APA ergaben, war Wolfgang Gurlitt tatsächlich in Bad Aussee ansässig. Er betrieb seinen Kunsthandel nach dem Krieg von Berlin und Bad Aussee aus. Insofern ist auch bekannt, dass die Villa als Aufbewahrungsort für Kunst gedient hat. Die Villa wurde vor etwa 30 Jahren an eine einheimische Familie verkauft, ein danebenliegendes zweites Haus blieb in Familienbesitz und gehört heute angeblich einer in München lebenden Nachfahrin von Wolfgang Gurlitt.

"Ein Zusammenhang zwischen der Raubkunst im Salzberg und der Gurlitt-Villa ist nicht bekannt", erklärte eine Ausseer Geschichtsforscherin, die nicht namentlich genannt werden will, gegenüber der APA. Sie verweist allerdings auf die nahegelegene Munk-Villa, die in der NS-Zeit arisiert wurde und von wo Gustav Klimts Werk "Ria Munk" in den späten 1940er-Jahren in den Besitz des Kunsthändlers Wolfgang Gurlitt kam.

"Ria Munk" und "Krumau"

In den frühen 1950er-Jahren verkaufte Gurlitt einen Großteil seiner Sammlung an die Stadt Linz, für die er dann als Direktor der Neuen Galerie bzw. des Wolfgang Gurlitt Museums (später Lentos Museum) tätig war. 1956 erwarb Linz "Ria Munk" trotz Vermutungen, dass es sich um geraubtes Vermögen gehandelt haben könnte. Das Gemälde wurde schließlich 2009 restituiert. Ebenfalls aus den Beständen Wolfgang Gurlitts stammt das restituierte Schiele-Bild "Krumau", in einem weiteren Fall läuft aktuell noch ein Verfahren. "Die Achse Wolfgang Gurlitt - Linzer Neue Galerie ist nach wie vor ein Thema", meinte dazu eine anonym bleibende Kunstexpertin zur APA.

 

http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/kultur/3575086/aussee-spekulationen-um-kunstschaetze-gurlitt-villa.story
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