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Das Gurlitt- Paradoxon - The Gurlitt Paradox

1970
1945
Thueringer Allgemeine 10 April 2014
Elena Rauch über Fragen zum Schwabinger Kunstfund.

Eigentlich hatte man sich vom Schwabinger Kunstschatz Antworten erhofft. In Thüringer Kunstsammlungen zum Beispiel auf Fragen, was mit Werken geschah, die von den NS-Machthabern aus den Museen geworfen wurden. Doch der Fall Gurlitt ist ein rätselhaftes Phänomen. Kaum glaubt man einer Antwort nahezusein, bring sie statt dessen neue Merkwürdigkeiten hervor. Das begann schon mit der Verwunderung darüber, warum die Behörden den Kunstfund der Öffentlichkeit anderthalb Jahre lang verheimlicht hatten. Dann verweigerten die Behörden hartnäckig jede Information über die Sammlung, nur wenige Tage später standen einzelne Werke plötzlich im Netz. Eine komplette Liste der Sammlung wird Journalisten verwehrt, nachdem sie zunächst gerichtlich zugesichert wurde. Jetzt muss sich die Augsburger Staatsanwaltschaft fragen lassen, warum sie zwei Jahre gebraucht hat um festzustellen, dass mit der Beschlagnahme der Sammlung etwas nicht stimmte und sie Gurlitt die Bilder zurückgeben muss. Wenn es denn stimmt, dass es kein Deal war. Über all dem schwebt die unbequeme Frage, aufgerührt vom Fall Gurlitt, wie in diesem Land Jahrzehnte nach Kriegsende mit Kunst verfahren wurde, die während der NS-Zeit jüdischen Eigentümern geraubt wurde. Bevor man sie in die Emigration trieb. Oder ins Gas von Auschwitz. Und wie lange Überlebende und ihre Nachkommen noch auf Gerechtigkeit warten müssen, bis dieser Staat eine Lösung findet. Was genau jetzt mit Gurlitts Bildern geschieht, ist übrigens wieder ein Rätsel.

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