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"Zum Teil hoch komplizierte Recherchen" - "In part, highly complex research"

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Die Welt 16 April 2014
 

Nicht erst seit dem Fall Gurlitt bemüht sich Bayern um die Rückgabe von Nazi-Raubkunst. Doch die Recherche ist kompliziert. So fällt eine Zwischenbilanz nach 15 Jahren Arbeit eher ernüchternd aus.


Seit 15 Jahren bemühen sich die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen um Klärung der Herkunft ihrer Kunstwerke

Die Prüfung der Eigentumsrechte bei möglicher Nazi-Raubkunst bleibt für Bayern eine Langzeitaufgabe. Die Provenienzrecherche könne Jahrzehnte dauern, sagte Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch.

Das Thema war nach der Beschlagnahmung der Werke aus dem Besitz des Schwabinger Kunsthändlersohns Cornelius Gurlitt in den Blickpunkt gerückt.

Die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen befassen sich seit 15 Jahren mit der Aufarbeitung der NS-Geschichte. Sie hatten 1998 als einziges deutsches Museum an der Washingtoner Konferenz zu NS-Raubkunst teilgenommen und ein Jahr später die erste Stelle zur Provenienzforschung in Deutschland eingerichtet.

Die Aufarbeitung des NS-Unrechts sei der Staatsregierung ein wichtiges Anliegen, sagte Spaenle. Das internationale Augenmerk liege stark auf München als "Hauptstadt der Bewegung". Bayern suche aktiv nach Raubkunst.

1500 Kunstwerke zweifelhafter Herkunft

Die Staatsgemäldesammlungen haben laut Generaldirektor Klaus Schrenk bei etwa 1500 Kunstwerken Zweifel an der Herkunft.

Davon seien 300 untersucht und zwölf an die Erben der von den Nazis enteigneten Besitzer zurückgegeben worden – darunter der "Blumenstrauß in einer Tonvase" aus der Werkstatt Jan Brueghel (der Ältere) an die Erben des Wiener Kaufmanns Julius Kien.

SPD und Grüne kritisierten die Bemühungen des Freistaats als unzureichend. "Wenn für Herrn Spaenle die Provenienzforschung wirklich so eine Herzensangelegenheit ist, wie er plötzlich sagt, muss hier etwas geschehen", sagte die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias.

Ihr Grünen-Kollege Sepp Dürr sagte: "Glaubwürdig wird Spaenle nur, wenn er nicht nur Sprüche klopft, sondern Geld lockermacht."

Schwierige Recherchen

Neben den zwölf Werken der Staatsgemäldesammlungen wurden neun Kunstwerke aus dem Bayerischen Nationalmuseum und zwei aus der Staatlichen Graphischen Sammlung zurückgegeben.

Strittig ist derzeit der Fall der Erbin Paula Levy und des Gemäldes "Die Drei Grazien" von Lovis Corinth. Er liegt bei der Limbach-Kommission, deren Entscheidung beide Seiten akzeptieren wollen.

Die Herkunftsforschung sei extrem aufwendig, zumal die Gemälde oft über Umwege in den Besitz der Staatsgemäldesammlungen gelangten, sagte Schrenk.

"Es sind zum Teil hoch komplizierte Recherchen, weil die Ausgangslage so schwierig ist." Teilweise gebe es keine Dokumente mehr – diese Fälle könnten womöglich nie geklärt werden.

Keine Verpflichtung für Privatleute

Die Experten suchten die zum Teil betagten Empfänger weit über Deutschlands Grenzen hinaus, etwa in Israel und den USA.

Fast 200 Werke wurden allein von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen auf der Plattform "lostart.de" eingestellt. So können Erben der meist jüdischen Eigentümer Kunstwerke identifizieren und Anspruch erheben.

Ein Problem ist die Verjährung. Öffentliche Institutionen richten sich nach dem Washingtoner Abkommen und geben Werke trotzdem zurück. Anders ist es oft bei Privatleuten, die unter Umständen für ein Kunstwerk tief in die Tasche gegriffen haben – ohne zu ahnen, dass es sich um Raubkunst handeln könnte.

Gurlitt sei der erste prominente private Sammler, der sich vertraglich mit Taskforce, Bund und Freistaat zu dem Abkommen bekannte, Provenienzforschern Zugang zu Werken mit unklarem Hintergrund gewährt und deren Rückgabe ankündigte.


http://www.welt.de/regionales/muenchen/article127033353/Zum-Teil-hoch-komplizierte-Recherchen.html
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