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Neuer Raubkunst-Skandal? - A new looted art scandal?

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Deutsche Welle 28 May 2014
 

Nach dem Fall Gurlitt bahnt sich eine neue kunsthistorische Sensation an: erstmals werden Geschäftsbücher eines Nazi-Kunsthändlers veröffentlicht – in der Datenbank Lost Art.

„Bei Luftangriffen zerstört", diese lapidare Antwort auf die Befragung der alliierten Kontrollbehörden nach dem Krieg hatte nicht nur der Kunsthändler Hildebrandt Gurlitt parat. So wie er, versuchten sich zahlreiche Nazi-Kunsthändler aus der Mitverantwortung für jüdische Raubkunst und massenhaft „arisierte" Kunstgegenstände aus jüdischem Privatbesitz zu stehlen. Ab jetzt ist das nicht mehr so einfach möglich, zumindest nicht für die Bestände des bayrischen Kunsthändlers Adolf Weinmüller (1886 -1958), wie die Süddeutsche Zeitung am 28.5.2014 veröffentlicht hat.

Von heute an können alle Kataloge des Auktionshauses Weinmüller aus der Zeit zwischen 1936 und 1944 online eingesehen werden – in der Datenbank Lost Art. Einlieferer, Verkaufspreise und Käufernamen sind mit allen Details dort verzeichnet und geben Auskunft über die damalige Provenienz der Kunstwerke. Die Geschäftsunterlagen waren im Frühjahr 2013 in einem Stahlschrank entdeckt worden.

Die Kunsthistorikerin Dr. Meike Hopp vom Zentralinstitut für Kunstgeschichte war schon bei den Recherchen zu ihrer Doktorarbeit über Adolf Weinmüller auf dieses belastende Material gestoßen. Geschäftsführerin Kathrin Stoll, deren Vater Rudolf Neumeister das Auktionshaus 1958 von Weinmüller übernommen hatte, gab die brisanten Unterlagen für die Forschung und jetzt für die Öffentlichkeit frei.

In digitalisierter Form ermöglichen diese Daten ab heute detaillierte Recherchen bei lost.art auch aus dem Ausland, Rechtsansprüche möglicher Erben werden dort nicht bearbeitet. Auskünfte über private Käufer jüdischer Raubkunst übernimmt die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin.

Weinmüller betrieb ein gutgehendes Auktionshaus in München und Wien. Dank bester Kontakte zur NSDAP stieg er nach 1933 zu einem der führenden Kunsthändler der Nazizeit auf. Von 1936 bis 1944 versteigerte er mehr als 32.000 Objekte und Kunstwerke – die zum Teil auch aus jüdischem Besitz stammten. Er leitete ab 1933 auch den "Bund deutscher Kunst- und Antiquitätenhändler e.V.". Auch von der Gestapo beschlagnahmte jüdische Kunst aus Museen und Galerien kam im Auktionshaus Weinmüller unter den Hammer.

 

http://www.dw.de/neuer-raubkunst-skandal/a-17667382
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