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Warum Nürnberg vom Fall Gurlitt profitiert - How Nuremberg will benefit from the Gurlitt Case

1970
1945
Nürnberger Nachrichten 13 June 2014

Germanisches Nationalmuseum erhält Förderung für Raubkunst-Forschung


Freude im Germanischen Nationalmuseum: Das Nürnberger Haus gehört zu den 20 Einrichtungen, die zusätzliche staatliche Fördergelder erhalten.

Der Fall Gurlitt und seine Konsequenzen: Die staatlichen Mittel für Raubkunstforschung werden verdoppelt — und auch Nürnberg profitiert davon.

NÜRNBERG - Zufall oder geschickte Öffentlichkeitsarbeit: Just an dem Tag, an dem die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“ den NS-Raubkunstverdacht für das Bild „Sitzende Frau“ von Henri Matisse aus Gurlitts Sammlung bestätigt, gibt Kulturstaatministerin Monika Grütters bekannt, welche Projekte in den Genuss der zusätzlichen zwei Millionen Euro Fördergelder für die Raubkunstforschung kommen. Mit dabei ist auch das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg.

„Wir sind sehr glücklich darüber, jetzt können wir die fraglichen Bestände endlich systematisch und kontinuierlich untersuchen“, sagt Daniel Hess, stellvertretender GNM-Direktor. Mit den zusätzlichen Geldmitteln — über die genaue Höhe wurde keine Auskunft gegeben — sollen all die Werke überprüft werden, die von 1933 bis 1945 in die Sammlung kamen.

Insgesamt handelt es sich dabei um 1127 Objekte aus den Bereichen Malerei, Glasmalerei, Skulptur, Kunsthandwerk, Möbel und wissenschaftliche Instrumente. Unter die Lupe genommen werden sollen vor allem die Erwerbungen von Institutionen und Personen, die am NS-Kunstraub beteiligt waren. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Arbeiten gelegt, die über Ämter und Dienststellen wie das Finanzamt oder über Tauschgeschäfte und Ankäufe in den besetzten Gebieten ins GNM kamen.

Unter den 20 Institutionen, die mit den gut zwei Millionen Euro bei der Raubkunstforschung unterstützt werden, sind auch die Kunstsammlungen der Veste Coburg, das Museum im Kulturspeicher Würzburg und die Museen der Stadt Bamberg.

Keine dieser Einrichtungen wird bei ihrer Arbeit aber so unter Beobachtung stehen wie die Taskforce, die Gurlitts Sammlung untersucht und nun ihren ersten „Fall“ abgeschlossen hat. Wenig überraschend erklärte sie die Dame von Matisse als Raubkunst, die einst der Familie des jüdischen Kunsthändlers Paul Rosenberg von den Nazis entzogen wurde. Bis dessen Nachkommen das Bild zurückerhalten, wird es wohl noch dauern.

Viele juristische Fragen sind zu klären, allen voran die, wer die Gurlitt-Sammlung schlussendlich erbt. Das Kunstmuseum in Bern, von Gurlitt als Erbe eingesetzt, hat sich noch immer nicht entscheiden, ob es das heikle Vermächtnis antritt.

 

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