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Geraubt und zur├╝ckgekehrt - Looted and returned

1970
1945
NDR 22 October 2014
von Jessica Thörner


Das Gemälde "Zwei Kinder im Park" kam über einen langen Irrweg wieder nach Schwerin.

Fast 70 Jahre lang war das Ölgemälde verschollen. Im Juni dieses Jahres sind die "Zwei Kinder im Park" des niederländischen Altmeisters Adriaen Hanneman aus den USA ins Staatliche Museum Schwerin zurückgekehrt, nach langer und aufwendiger Suche.

Kurator Torsten Knuth hat diesem Bild gleich die erste Ausstellungswand gewidmet, um zu zeigen: "Es kommt immer noch was zurück, worüber wir uns natürlich sehr freuen, aber auch, damit nicht alle Besucher durch das ganze Museum durchlaufen müssen, um das prominenteste Bild des Museums zu sehen."

Hannemans Gemälde ist wie Tausende andere Kunstwerke während des Zweiten Weltkrieges verschwunden. Der Irrweg der schönsten und wertvollsten Schätze aus den Sammlungen der Mecklenburger Herzöge begann aber viel früher, nämlich 1807, mit dem napoleonischen Kunstraub. "Mehr als 200 Gemälde und fast 2.000 kunsthandwerkliche Objekte wurden nach Paris gebracht, einige kamen in den Louvre, ein Gutteil aber auch in die Schlösser rings um Paris", sagt Knuth.

Kunstwerke in den Louvre entführt

Nach dem Sieg über Napoleon wurden die im Louvre als Trophäen ausgestellten Kunstschätze im Jahr 1860 an Großherzog Friedrich Franz I. zurückgegeben. Handwerkskunst, Skulpturen und Elfenbeinobjekte, die in der Schweriner Ausstellung in Vitrinen präsentiert werden. Und auch viele der in der Schau dicht nebeneinander gehängten Bilder hat Knuth aus dem Depot geholt. "Dieses wundervolle Gemälde von Jan Weenix, 'Jagdstillleben mit Totenkopfäffchen', mag ich besonders gern. Was die Art und Weise der Malerei anbetrifft, sind die Bildnisse des Wiedertäuferkönigs und der Gemahlin meine Favoriten."


Für Kurator Torsten Knuth ist das Jagdstillleben von Jan Weenix eines der schönsten Bilder der Ausstellung

Im 20. Jahrhundert betrieben die Nationalsozialisten Kunstraub in nie gekanntem Ausmaß. Zum Schutz vor Bombenangriffen wurden die Schätze in Schlössern und im niedersächsischen Salzbergwerk Grasleben versteckt. Von dort kamen sie 1946 ins britische Kunstdepot auf Schloss Celle.

Nach langen Verhandlungen kehrte ein Teil der Kunstwerke 15 Jahre später nach Schwerin zurück, viele in schlechtem Zustand, wie ein Gefäß aus der Zeit um 450 vor Christus. "Wenn Sie in den Kelchkrater gucken, sehen Sie die vielen Scherben", sagt Knuth. "Die wurden allerdings schon in Celle wieder zusammengesetzt und das Museum in Schwerin bekam dann die wieder restaurierten Objekte zurück."

Etwa 160 Gemälde, Skulpturen und handwerkliche Arbeiten werden in der Schweriner Ausstellung präsentiert. Auch Rückgaben aus Privatbesitz, zum Beispiel zwei Fächer der großherzoglichen Sammlung, die ein ehemaliger US-Offizier 1945 als Kriegssouvenir aus Schloss Ludwigslust mit nach Amerika nahm, erklärt Knuth: "Es ist eine persönliche Rückgabe, weil er eine Lehrerin aus Mecklenburg-Vorpommern in Amerika traf und dann diese Fächer zurückgeben wollte."

Provenienzforschung prüft 141 Gemälde

Seit den 90er-Jahren widmet sich das Staatliche Museum Schwerin der sogenannten Provenienzforschung. Denn die Herkunft vieler Kunstwerke, die nach dem Zweiten Weltkrieg zurückgegeben wurden, ist nicht eindeutig, sagt der stellvertretende Museumsdirektor Gerhard Graulich: "Es geht letztendlich darum, zu klären, ob die Werke rechtmäßig hier sind oder nicht. Und Werke, die etwa jüdischem Eigentum entsprechen, die sollen natürlich auch wieder rechtmäßig zurückgegeben werden."

Allein 141 Gemälde, bei denen es sich um NS-Raubkunst handeln könnte, werden deshalb auf der Internetseite lostart.de dokumentiert - eine Datenbank der Magdeburger Koordinierungsstelle für Kulturgutverluste, die seit dem Krieg vermisste Kunstwerke deutscher Museen aufliste, erklärt die stellvertretende Leiterin, Andrea Baresel-Brand: "Die Datenbank ist ein Forum, wo Suchende und Findende ihre Objekte dokumentieren können, und über das Internet ist dann die Möglichkeit gegeben, für jeden offen frei zugänglich, diese Daten dann zu recherchieren und vielleicht einen Treffer zu erzielen."

Mehr als 5.000 Kunstwerke aus dem Staatlichen Museum, die während des Zweiten Weltkrieges verschwanden, werden bis heute vermisst. Aber vielleicht, so hofft Kurator Knuth, findet durch die Ausstellung das eine oder andere Kunstwerk seinen Weg zurück nach Schwerin.

 

http://www.ndr.de/kultur/kunst/mecklenburg-vorpommern/Raubkunst-Kunstraub,kunstraubraubkunst100.html
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