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NS-Raubkunst: Kunstforscher fahnden auch in Darmstadt - Searching for Looted Art in Darmstadt

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1945
Echo 7 November 2014
 

Das zuvor umgedrehte Bild „Die Labung“ von Hans von Marees (1879-1880) hängt im Museum in Wiesbaden. Das Museum Wiesbaden hat mit seiner Aktion „Wiesbaden schafft die Wende!“ genügend Geld aufgebracht, um einen Kunstraub der Nazis an einer jüdischen Familie wiedergutzumachen.

Wissenschaftler werden ab Januar in den Landesmuseen in Darmstadt, Kassel und Wiesbaden nach NS-Raubkunst fahnden.

WIESBADEN: In den Landesmuseen in Darmstadt, Wiesbaden und Kassel werden Wissenschaftler ab Januar gezielt nach Raubgut aus der Nazizeit fahnden. Dazu richtet das Land Hessen ab 2015 eine zentrale Stelle für die Provenienz-Forschung ein, wie Kunstminister Boris Rhein (CDU) am Freitag erklärte. Sitz der neuen Einrichtung soll das Museum Wiesbaden sein.
Das Land will sich so der „historischen Verantwortung aktiv stellen“, so der Minister am Freitag auf einer Pressekonferenz im Museum Wiesbaden. Geplant ist zunächst, dass die Wissenschaftler den Forschungsstand der drei Landesmuseen abgleichen und eine Verdachtsliste erstellen. Darin sollen Kunstwerke erfasst werden, die möglicherweise unter dem Druck der Nazis abgegeben wurden. Die Forscher sollen dabei direkt vor Ort in den Sammlungen und Museumsarchiven arbeiten.
Alle Objekte mit „lückenhafter, verdächtiger oder belasteter Provenienz“ müssen dann in der „Lost Art Datenbank“ veröffentlicht werden, die international zugänglich ist – auch für die Erben der ehemaligen verfolgten Kunstbesitzer. Ziel sei es, „unrechtmäßig entwendete Kunstgegenstände ihren rechtmäßigen Besitzern zurück zu geben“.

Das Museum Wiesbaden will jetzt im Nachhinein für ein Gemälde zahlen, das ein jüdischer Kunstbesitzer während der NS-Zeit auf Druck der Nazis versteigern lassen musste. Die Erben des Kunstsammlers Max Silberberg bekommen nun einen Betrag, zu dem auch Spenden Wiesbadener Bürger einiges beigetragen haben. Kunstminister Boris Rhein (CDU) stellte das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen von Stadt, Land und Stiftern am Freitagvormittag in Wiesbaden vor.

„Eine faire und gerechte Lösung im Sinne der Washingtoner Erklärung“ sieht die Kulturstiftung der Länder, die das Ganze ebenfalls unterstützte. Hans von Marées kostbares Gemälde „Die Labung“ von 1880 wird demnach weiter im Bestand des Museums bleiben. Für die Zeit der Sammelaktion war das Bild umgedreht worden, so dass Besucher nur die Rückseite sehen konnten.

http://www.echo-online.de/nachrichten/kunstundkultur/NS-Raubkunst-Kunstforscher-fahnden-auch-in-Darmstadt;art1161,5602151
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