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Gurlitts Nachlassverwalter widerspricht Kunstmuseum - Gurlitt's executor contradicts the Bern Kunstmuseum

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Der Bund 18 February 2015


Stephan Brock, der Münchner Nachlassverwalter des Gurlitt-Erbes, will rasch handeln, damit die jüdischen Familien zu ihren von den Nazis geraubten Kunstgütern kommen.

Der Übergabe der Gurlitt-Bilder an die Besitzerfamilien stehe nichts im Wege, sagt Stephan Brock, der Münchner Nachlassverwalter des Gurlitt-Erbes.

Von «grosser Sorge», «Frust» und «Leid» war am Dienstag beim Kunstmuseum Bern die Rede. In Sachen Gurlitt ging der Berner testamentarische Erbe des verstorbenen deutschen Kunsthändlers mit einer gewissen Dramatik in die Offensive. Nun zeigt sich: So heiss scheint die Sache nicht zu sein, zumindest nicht für die drei betroffenen jüdischen Familien. Diese nämlich müssten, liessen Museumsdirektor Matthias Frehner und Stiftungsratspräsident Christoph Schäublin verlauten, nun noch länger auf ihre einst von den Nazis geraubten Kunstgüter warten.

Hintergrund dieser Annahme: Weil eine Cousine des verstorbenen Kunsthändlers Cornelius Gurlitt dessen Testament anficht, verzögert sich die ursprünglich vereinbarte Übergabe der umstrittenen Bilder nach Bern.

Vertragsentwurf liegt auf dem Tisch

Doch während dies für einen Grossteil der Bilder, die das Kunstmuseum dereinst erforschen und letztlich ausstellen will, zutreffen dürfte, sieht das bei den drei betreffenden Kunstwerken von Matisse, Liebermann und Spitzweg nicht so aus. Gurlitts Nachlassverwalter Stephan Brock, der aufgrund des Rechtsstreits noch allein über das Erbe verfügt, kann die Sichtweise des Berner Kunstmuseums «nicht teilen». Der Vertragsentwurf, um die Bilder den rechtmässigen Erben übergeben zu können, liege auf seinem Tisch. Die letzten Anpassungen müssten nächste Woche noch vorgenommen werden.

«Ich kann handeln», sagt Brock. Stimmten alle involvierten Stellen zu, stehe einer Übergabe der Bilder im Lauf des März oder April nichts im Weg. Brock geht insbesondere davon aus, dass auch die Cousine Gurlitts mit dem Vorgehen einverstanden ist. Daher sei eine rasche Übergabe nicht nur im Fall der drei Bilder möglich, sondern auch für alle künftigen Bilder, die als Raubkunst identifiziert werden könnten.

Bei den Betroffenen, einst Opfer des Naziregimes, handelt es sich um die Familie des jüdischen Kunsthändlers Paul Rosenberger, dem das Gemälde «Sitzende Frau» von Henri Matisse gehört hatte. Auch das Gemälde «Zwei Reiter am Strand» von Max Liebermann wurde als Raubkunst identifiziert. Rechtmässiger Erbe des Gemäldes ist der 89-jährige David Toren. Schliesslich wurde auch die Zeichnung «Das musizierende Paar» von Carl Spitzweg als Werk identifiziert, das von den Nazis geraubt wurde. Cornelius Gurlitts Vater Hildebrand hatte es dem jüdischen Sammler Henri Hinrichsen abgekauft.

http://www.derbund.ch/bern/stadt/Gurlitts-Nachlassverwalter-widerspricht-Kunstmuseum/story/24528063
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