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Crossmediales Projekt "#kunstjagd" - Cross Media Project - Hunt the Painting

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ORF 21 May 2015

Vor rund drei Jahren sorgte der Fall Gurlitt für Schlagzeilen und weckte das öffentliche Bewusstsein dafür, dass der Verbleib etlicher Kunstwerke, die in der NS-Zeit geraubt wurden, heute unbekannt ist. Das crossmediale Projekt "#kunstjagd" verfolgt nun die Spur eines Gemäldes, das seit der Flucht seiner jüdischen Besitzer aus München 1938 verschollen ist.

Ab heute begibt sich ein junges Journalistenkollektiv namens "Follow the Money" auf die Suche durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Über die sozialen Medien kann man seinen Weg mitverfolgen und sogar Hinweise geben, und auch der ORF beteiligt sich an dem Projekt.

Am 10. November 1938, am Tag nach der Reichspogromnacht, stand die Gestapo vor der Tür der Familie Engelberg und verschleppte Jakob Engelberg ins KZ Dachau. Sein Sohn Edward, heute 87 Jahre alt, erinnert sich noch gut an die schrecklichen Minuten. Seine Mutter Paula setzte bald alles daran, ihren Mann aus der KZ-Haft zu befreien. "Wir brauchten ein Einreisevisum für die Schweiz", erzählt Edward, "und hier kommt das Gemälde ins Spiel: Meine Mutter nahm das Bild aus dem Rahmen, rollte es zusammen und verließ das Haus. Als sie zurückkam, hatten sie die Visa für uns."

Follow The Money

Es ist kein Hämmern an der Wohnungstür, eher ein sachliches Klopfen, das die Kindheit von Edward Engelberg beendet. Unmittelbar nach den Novemberpogromen 1938 wird sein Vater, Jakob Engelberg, von der Gestapo verhaftet. Mit Graphic-Novel-Elementen wie diesem erzählen Follow The Money ebenfalls ihre Geschichte.

Fortsetzungskrimi mit preisgekrönten Journalisten

Die Visa führten tatsächlich zur Entlassung von Jakob Engelberg - die Familie floh in die Schweiz und von dort schließlich in die USA, wo Edward bis heute lebt. Das Gemälde, ein Frauenporträt des heute fast vergessenen Künstlers Otto Stein, habe ihnen das Leben gerettet, sagt er. Doch was ist mit dem Bild passiert? Um das herauszufinden, inszeniert das deutsche Journalistenteam "Follow the Money" einen multimedialen Fortsetzungskrimi, der heute in München startet.

Ausgefallene Recherche ist das Markenzeichen der mehrfach preisgekrönten Journalistengruppe: Erst letztes Jahr hat sie Schrottfernseher mit GPS-Sendern ausgestattet und so deren illegalen Export nach Westafrika mitverfolgt. Die "Kunstjagd" ist nun ein crossmediales Projekt über drei Länder, an dem sich auch der ORF beteiligt: In ORF ON und oe1.ORF.at etwa können sich Interessierte schon heute und ab dann wöchentlich über den neuesten Stand der Dinge informieren.

Social Media stehen im Zentrum

Facebook und Twitter bilden zusätzlich Diskussionsforen, und noch näher dran ist man mit dem Kurznachrichtendienst WhatsApp: Hier kann mit den vier Reportern in Echtzeit kommunizieren und auch sachdienliche Hinweise liefern. Das wirkt wie eine neue Version des Fernsehklassikers "Aktenzeichen XY...ungelöst" - ein Format, dem man allerdings bald vorwarf, zur Menschenjagd anzustacheln.

Bei der "Kunstjagd" verfolge man einen anderen Ansatz, versichert Marcus Pfeil: "Wir wollen keinen neuen Restitutionsfall schaffen; die Familie möchte das Bild nicht zurück. Wir laden nicht zum Denunziantentum ein. Wenn jemand einen Hinweis für uns hat, ist er herzlich eingeladen, Teil dieser Geschichte zu werden, aber keiner muss Angst haben, dass wir ihm das Bild wegnehmen." Auch gegen unerwünschte Postings oder Shitstorms in den sozialen Medien sei man gerüstet, sagt Pfeil.

Sechs bis acht Wochen soll die Suche dauern; ob das Gemälde am Ende auftaucht, ist freilich völlig offen. Und selbst wenn nicht, hofft Pfeil, wird es zumindest eine spannende Reise mit interessanten Begegnungen.

kunstjagd ist eine Koprodruktion von Follow the Money und Gebrüder Beetz. Medienpartner: BR, SRF und ORF, Deutschlandradio Kultur, Süddeutsche Zeitung, Rheinische Post und Der Standard.

Die Kunstjagd
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Im Wochentakt werden ab 21. Mai die Ergebnisse der Recherchen von Follow The Money als Podcast veröffentlicht.

Mehr dazu auf oe1.orf.at

Mehr dazu in oe1.ORF.at

7 TageSendung hören Grafische Darstellung eines Paars

DO | 21.5.2015 | 16:55 Uhr

Digital.Leben *

1. #Kunstjagd
2. Belohnung für Handyverzicht

 

The Flyer:

Die #kunstjagd - Wo steckt das verschollene Gemälde? - Hunt the painting - Where is the lost work of art?

TV-Doku / Radio-Podcast / Vimeo-Channel / WhatsApp-Broadcasting / Social-Media / Print-Reportage

Ein vor 77 Jahren verschollenes Gemälde, dem über 30 Menschen ihr Leben verdanken. Eine Suche, deren Ende völlig offen ist. Ein Rätsel, das wir mit Euch gemeinsam lösen wollen. Alles ist möglich, und Ihr könnt live dabei sein. Das ist die #kunstjagd

Die Geschichte

Wenn die Familie Engelberg sich heute bei Großvater Edward in Portland, Oregon, versammelt, dann sitzen sie zusammen im Wohnzimmer und blicken auf das Gemälde, das sie nur „unsere Mona Lisa“ nennen. Es zeigt das Portrait einer Frau, die ein Buch hält. Eigentlich müssten dort zwei Gemälde aus derselben Serie hängen. Das zweite eine leichte Variation des ersten. Aber das zweite Gemälde ist nicht mehr im Besitz der Familie. Das zweite Gemälde ist der Grund, dass sie überhaupt am Leben sind, die vier Generationen der Engelbergs, mehr als 30 Menschen.

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München 1938: Am Morgen nach der Reichspogromnacht kommt die Gestapo, um den jüdischen Kaufmann Jakob Engelberg zu verhaften. Die Beamten verschleppen ihn ins KZ Dachau. Zwei Wochen nach der Verhaftung ihres Mannes nimmt Paula Engelberg eines der beiden Gemälde von der Wand und verlässt die Wohnung. Am selben Tag kommt sie mit einem Visum für die Schweiz zurück. Mit ihm erreicht sie bei der Gestapo, dass ihr Mann aus dem KZ frei kommt. Das zumindest ist bis heute die Familiengeschichte. Mit ihren Kindern fliehen die Engelbergs über die Schweiz in die USA. Sie sind in Sicherheit. Aber was wurde aus dem lebensrettenden Gemälde? Wo steckt es heute, fast 80 Jahre später? Das wollen wir mit einer interaktiven „Schatzsuche“, unserer #kunstjagd herausfinden!

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Das Gemälde der Engelbergs steht dabei stellvertretend für Millionen anderer Wert- und Kunstgegenstände, die während des Nationalsozialismus den Opfern abgepresst wurden und den Besitzer wechselten. Diese Dinge sind nicht weg. Sie sind mitten unter uns. Hier und heute. Wir gehen davon aus, dass es das zweite Gemälde der Engelbergs gab. Zu lebendig sind die Erinnerungen von Edward Engelberg, zu überzeugend die Aufzeichnungen seiner inzwischen verstorbenen Schwester Melly, um das in Zweifel zu ziehen.

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Am 21. Mai 2015 berichten wir mit unseren Medienpartnern, dem Bayerischen Rundfunk (BR), dem Schweizer Rundfunk und Fernsehen (SRF), dem ORF, der Süddeutschen Zeitung und dem Deutschlandradio Kultur über den Fall Engelberg. Dann begeben wir uns auf eine sechs- bis achtwöchige Suche, fahren an die historischen Orte und folgen der Spur des Gemäldes und der Spur des Visums. Jede Woche veröffentlichen wir auf  www.kunstjagd.com eine Episode unserer Audio-Podcast-Serie und einen kurzen Film über unseren Fortschritt. Unser Publikum kann uns außerdem live über Social Media begleiten, Hinweise geben und so zum Teil der #kunstjagd werden. Auch per WhatsApp kann man mit uns in Kontakt treten, Hinweise geben und sich über aktuelle Entwicklungen der Recherche informieren lassen. Speichern Sie dazu die Telefonnummer

+49 – 157 – 53 25 78 33

unter „Kunstjagd“ in Ihrem Smartphone ab und schicken uns eine Nachricht mit dem Inhalt „Start Kunstjagd“. Schon sind Sie ab dem 21. Mai live dabei! Voraussichtlich am 9. November 2015, dem Jahrestag der Reichs-pogromnacht, senden BR, ORF und SRF schließlich einen 45-minütigen Reporterfilm über die Suche, im Deutschlandradio gibt es ein längeres Feature.

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Die große Frage ist natürlich, ob wir sie wirklich finden, die „Mona Lisa“ der Engelbergs. Die ehrliche Antwort: Wir wissen es nicht. Das Ende ist offen. Und genau das ist der Reiz. Denn selbst wenn das Gemälde am Ende verschollen bleibt, entsteht ein Fortsetzungskrimi, an dem unser Publikum interaktiv teilhaben kann. Klar ist: Die Chancen steigen, je mehr Menschen sich an dem Projekt beteiligen. Deswegen suchen wir Multiplikatoren, die auf die #kunstjagd hinweisen und zum Mitsuchen einladen: Kollegen aus Print und Rundfunk, die unsere Suche zum Anlass nehmen, über ähnliche Fälle im Verbreitungsgebiet zu berichten; Museen, die sich gerade mit der Provenienz ihrer Bestände beschäftigen; Lehrer, die ihren Schülern eine solche Thematik einmal anders vermitteln wollen – jeder Hinweis auf die #kunstjagd und unsere verschiedenen Kanäle (s.u.) ist wertvoll. Helfen Sie mit, die verschollene „Mona Lisa“ zu finden!

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Die Macher

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Follow the Money (FtM) ist ein journalistisches Recherche-Startup, das nach Antworten auf klare, instinktiv fesselnde  Fragen zu Themenkomplexen sucht, die alle angehen. Dabei wird der Weg zur Geschichte zur eigentlichen Story. FtM setzt auf transmedial und seriell erzählten, technisch innovativen und vor allem offenen Journalismus: Die Reporter nehmen den Zuschauer, Hörer und Leser ernst. Sie nehmen ihn mit auf ihre Recherche, belehren ihn nicht von oben herab, sondern machen ihn zum Komplizen ihrer Arbeit. Dafür legen sie den Rechercheprozess offen und laden zum Mitmachen ein. Die Reporter sind keine allwissenden Erzähler, sondern Menschen mit Fehlern, die eben auch mal der falschen Spur folgen oder sich in Sackgassen verrennen. Journalismus als Prozess, nicht als verkündete Wahrheit, das ist das Ziel.

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Als Pilotprojekt ist FtM mit GPS-Sendern verwanzten Schrottfernsehern bis nach Westafrika nachgejagt, unterstützt unter anderem durch Crowdfunding und von der Rudolf-Augstein-Stiftung, erzählt bei ARD Panorama, Panorama – Die Reporter, DIE ZEIT und Arte Future, ausgezeichnet mit dem CNN Journalist Award, dem Medienpreis On.Line, als Kultur- und Kreativpiloten der Bundesregierung und als Sieger des ersten Web Slam des Netzwerk Recherche.

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Das neueste Recherche-Erlebnis von FtM, die #kunstjagd , entsteht in Koproduktion mit der renommierten Gebrüder Beetz Filmproduktion, eine Vorreiterin bei crossmedialen Dokumentationen, die mit vielen bedeutenden Preisen ausgezeichnet wurde, darunter etwa drei Grimme-Preise, der Prix Europa, der Cinema for Peace Award, der Deutsche Filmpreis und eine Oscar-Nominierung. Näheres: www.gebrueder-beetz.de

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Kontakt

www.followthemoney.de
post@followthemoney.de
www.facebook.com/ftmjournalism

Twitter @ftm_journalism, Instagram @ftmjournalism
Marcus Pfeil +49-179-1275351
Christian Salewski +49-176-64172610

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http://oe1.orf.at/artikel/407291
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