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Landesmuseum restituiert Pokal - Schleswig-Holstein Landesmuseum returns drinking cup

1970
1945
Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte 21 June 2016

Das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte restituiert ein Objekt seiner Sammlung. Es handelt sich um sich um einen sogenannten Zinn-Willkomm – eine Art Pokal – der Glaserinnung Itzehoe aus dem Jahr 1698, der am 20. Juni 2016 von Museumsdirektorin Dr. Kirsten Baumann und Provenienzforscherin Dr. Veronika Schmeer an die rechtmäßigen Besitzer, vertreten durch den Anwalt Dr. Henning Kahmann, ausgehändigt wurde.


Restauratorin Ann-Christine Henningsen und Direktorin Dr. Kirsten

Ein Willkomm ist ein Trinkgefäß, das bei Korporationen, insbesondere Zünften, zu feierlichen Anlässen einem Ehrengast oder der ganzen Runde gereicht wurde. Der Zinn-Willkomm wurde 1942 durch den damaligen Direktor Ernst Sauermann von dem jüdischen Kunsthändler Mozes Mogrobi aus Amsterdam erworben. Dessen Geschäft war nach der Besetzung Hollands aufgrund der Nürnberger Rassegesetze in nicht-jüdische Treuhänderschaft übergegangen. Mogrobi, der 1944 in Auschwitz starb, konnte ab 1941 nicht mehr frei als Geschäftsmann agieren.

Mit der Londoner Erklärung der Alliierten von 1943 wurden alle geschäftlichen Vorgänge durch Deutsche in besetzten Gebieten für nichtig erklärt. Der Zinn-Willkomm hätte daher bereits unmittelbar nach dem Krieg restituiert werden müssen, so wie es 1947 mit den anderen Hollanderwerbungen des Landesmuseums auch geschehen ist. Im Zuge der Recherchen von Dr. Carsten Fleischhauer, zuvor für die Provenienzforschung auf Gottorf zuständig und jetzt Leiter des Jüdischen Museums Rendsburg, konnte dieser Fall erneut untersucht werden. Die Bedingungen für eine Restitution sind erfüllt, und mehr als 70 Jahre nach Kriegsende steht einer Übergabe an den Vertreter der rechtmäßigen Erben in den Niederlanden nichts im Weg.

Der Pokal war bisher Teil der Zünfte-Ausstellung auf Schloss Gottorf. Die Lücke wird nun aus dem Bestand des Landesmuseums geschlossen. Es sei eine moralische Verpflichtung, ein Restitutionverfahren konsequent zuende zu bringen, auch wenn ein Objekt aus der Dauerausstellung betroffen sei, so Dr. Kirsten Baumann.

Seit 2013 arbeitet die Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen die Provenienzen der Sammlungsbestände des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte systematisch auf. In einem auf zwei Jahre (April 2013 bis März 2015) angelegten Forschungsprojekt ging es um die Neuerwerbungen des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in der Zeit zwischen 1933 und 1945. Im Folgeprojekt werden seit Ende 2015 die Sammlungszugänge nach 1945 untersucht.

Von 1933 bis 1945 sind etwa 5.000 Objekte als Neuzugänge an das Landesmuseum zu verzeichnen. Unter diesen befanden sich einige auffällige Erwerbungen aus Berliner Auktionen sowie Ankäufe in den besetzten Gebieten. Vom Auktionshaus Paul Graupe in Berlin stammten fünf Gobelins aus der Sammlung Emma Budge, die 1937 für das Landesmuseum erworben wurden. Diese wurden bereits an die Erben restituiert. In zwei anderen Fällen läuft derzeit das Restitutionsverfahren.

Mit dem Jahr 1945 endet die Aufgabe der Provenienzforschung allerdings nicht. Alle vor 1945 entstandenen und nach 1933 erworbenen Kunstwerke unterstehen der prinzipiellen Möglichkeit eines verfolgungsbedingten Entzuges und bedürfen somit der Untersuchung ihrer Herkunft.



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