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Bayerische Museen verkauften NS-Raubkunst - Bavarian Museums selling Nazi-Looted Art

1970
1945
Die Zeit 25 June 2016

Bis in die 1990er Jahre sollen Museen in Bayern Kunstwerke verkauft haben, die jüdischen Sammlern geraubt oder abgepresst worden waren.


Alte Pinakothek in München: Sie gehört zu den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, bei denen bis heute Raubkunst hängen soll

Bayerische Museen haben offenbar bis in die 1990er Jahre NS-Raubkunst zugunsten der öffentlichen Kassen verkauft. Unter den veräußerten Kunstwerken hätten sich auch Werke befunden, die jüdischen Sammlern während des Nationalsozialismus geraubt oder abgepresst wurden, berichtet die Süddeutschen Zeitung (SZ) unter Berufung auf Recherchen der Londoner Commission for Looted Art in Europe.

In dem mehrseitigen Artikel heißt es: "Behörden und Museen behelfen sich seit Jahren mit Versprechungen: Wir arbeiten das auf, wir helfen den Opferfamilien. Die Realität sieht anders aus. Museen wie die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen gehen bis heute mit Raubkunst um, als sei sie ihr Eigentum. Sie lassen die Erben der rechtmäßigen Besitzer und deren Vertreter an der Bürokratie abprallen; sie erschweren damit Restitution oder verhindern sie ganz."

Die Kunstwerke waren nach Kriegsende von der US-Armee konfisziert und den deutschen Behörden treuhänderisch übergeben worden. Doch statt die Bilder ihren früheren jüdischen Eigentümern zurückzugeben, hätten die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen die Bilder wieder verkauft – teilweise sogar an die Familien früherer Nazigrößen.

Beispiel Henriette Hoffmann, Tochter von Hitlers Leibfotografen Heinrich Hoffmann und geschiedene Ehefrau des Wiener Reichsstatthalters Baldur von Schirach: Laut SZ hat sie 1963 ein Bild erworben, das einer jüdischen Familie in Wien gehörte. Später verkaufte sie das Gemälde gewinnbringend weiter. Es hängt bis heute im Dombauverein in Xanten.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/raubkunst-bayern-nationalsozialismus-kunstwerke-gemaelde-sammler
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