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Museum Georg Schäfer richtet Stelle für Provenienzforschung ein - Georg Schäfer Museum establishes provenance research post

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Main Post 24 September 2016
Mathias Wiedemann

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt wird spätestens zum 1. Januar 2017 eine Provenienzforscherin einstellen. Die Stelle sei für zwei Jahre finanziert, unter den 50 Bewerbern habe sich auch eine geeignete Kandidatin gefunden, teilte Karin Rhein, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Grafikkuratorin am Museum, mit.

Ziel ist es, die Herkunft des gesamten Bestands der Sammlung zu untersuchen, insbesondere unter dem Aspekt etwaiger jüdischer Vorbesitzer. „Wir werden die Öffentlichkeit über den Fortgang des Projekts auf dem Laufenden halten“, so Rhein.

Das Museum war zuletzt im Juli 2015 im Landtag kritisiert worden: Das Schweinfurter Haus habe sich bisher am hartnäckigsten der Geschichtsaufarbeitung verweigert, so die Grünen-Abgeordnete Verena Osgyan.

Zuvor hatten sich die vier Parteien im Maximilianeum nach zähem Ringen darauf geeinigt, staatliche Förderung für private Museen künftig davon abhängig zu machen, ob die betroffenen Häuser „erkennbare Bemühungen“ machen, sich mit der Herkunft ihrer Kunstwerke ernsthaft zu beschäftigen.

Hintergrund ist die anhaltende Raubkunst-Diskussion. Unter Raubkunst versteht man Kunstwerke, die im NS-Staat durch Zwangsverkauf oder Beschlagnahmung ihren rechtmäßigen Besitzern entzogen wurden. Das Thema wird seit knapp zehn Jahren auch im Zusammenhang mit der Sammlung Georg Schäfer diskutiert. So hatte die Provenienzforscherin Monika Tatzkow 2007 publiziert, dass sich in Schweinfurt Gemälde aus der Sammlung des in Auschwitz ermordeten Kunstsammlers Max Silberberg befinden.

Georg Schäfer (1896-1975), Mitinhaber des Wälzlagerherstellers FAG Kugelfischer, kaufte ab Mitte der 1950er Jahre deutsche Malerei und Grafik vor allem des 19. Jahrhunderts. 1998 haben seine Erben einen wesentlichen Teil der Sammlung – etwa 1000 Gemälde und 4000 Zeichnungen, Aquarelle und Gouachen – in die Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung eingebracht, heute Bestand des 2000 eröffneten Museums Georg Schäfer. Bauherr und Eigentümer des Hauses ist der Freistaat, Betreiber die Stadt. Alleinige Verfügungsgewalt über die Bilder hat die Stiftung.

Deren damaliger Vorstand hat auf die Vorwürfe immer mit dem Hinweis reagiert, die Bilder seien unter unverdächtigen Umständen und zu den üblichen Preisen im Kunsthandel erworben worden. Außerdem seien die einschlägigen Rückgabefristen bereits Anfang der 50er Jahre abgelaufen.

 

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