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Deutsches Zentrum Kulturgutverluste bewilligt in der ersten Förderrunde 2020 rund 2,87 Millionen Euro für 25 Projekte der Provenienzforschung im Bereich „NS-Raubgut“

1970
1945
Lost Art Foundation 6 May 2020
 

Er floh 1933 als rei­cher Mann aus Ber­lin und starb 1950 in ein­fa­chen Ver­hält­nis­sen: Der jü­di­sche Ban­kier Hu­go Si­mon über­leb­te den Ho­lo­caust in Bra­si­li­en, sei­ne be­deu­ten­de Kunst­samm­lung konn­te er nicht ret­ten. Zwar ge­lang es ihm, ei­nen Teil der Wer­ke ins Aus­land zu schaf­fen. Das Meis­te aber muss­te er ver­kau­fen, an­de­res wur­de spä­ter von den Na­tio­nal­so­zia­lis­ten be­schlag­nahmt. Was ge­nau mit der Samm­lung von Hu­go Si­mon pas­sier­te, das wol­len sei­ne Nach­fah­ren nun in Ko­ope­ra­ti­on mit dem Kunst­ge­schicht­li­chen Se­mi­nar der Uni­ver­si­tät Ham­burg re­kon­stru­ie­ren. Es ist ei­nes von ins­ge­samt 25 For­schungs­pro­jek­ten, die vom Deut­schen Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg 2020 fi­nan­zi­ell un­ter­stützt wer­den.

Der Vor­stand des Deut­schen Zen­trums Kul­tur­gut­ver­lus­te hat auf Emp­feh­lung sei­nes För­der­bei­ra­tes „NS-Raub­gut“ in der ers­ten An­trags­run­de 2020 (An­trags­frist: 1. Ja­nu­ar) rund 2,87 Mil­lio­nen Eu­ro für Pro­ve­ni­enz­for­schung an Mu­se­en, Bi­blio­the­ken, wis­sen­schaft­li­chen Ein­rich­tun­gen so­wie für vier Pri­vat­per­so­nen be­wil­ligt.

Da­bei hat die sys­te­ma­ti­sche Er­for­schung der Be­stän­de wei­ter­hin ho­he Prio­ri­tät: In ins­ge­samt 17 Pro­jek­ten über­prü­fen Mu­se­en und Bi­blio­the­ken ih­re Be­stän­de auf NS-Raub­gut. Un­ter­sucht wer­den nicht nur Kunst­ob­jek­te und Bü­cher. So er­forscht das Mu­sik­in­stru­men­ten­mu­se­um der Uni­ver­si­tät Leip­zig die ur­sprüng­li­che Her­kunft der his­to­ri­schen Mu­sik­in­stru­men­te aus der pri­va­ten Samm­lung Kai­ser-Re­ka. Die mu­si­ka­li­schen Ar­tis­ten Paul Kai­ser-Re­ka und sein Sohn Be­rol hat­ten vie­le au­ßer­ge­wöhn­li­che In­stru­men­te aus al­ler Welt zu­sam­men­ge­tra­gen und in Va­rieté­pro­gram­men vor­ge­führt.

Be­son­ders er­freu­lich ist, dass sich auch vier Ein­rich­tun­gen in pri­va­ter Trä­ger­schaft er­folg­reich um ei­ne För­de­rung be­wor­ben ha­ben. So wer­den ne­ben den Be­stän­den des Jü­di­schen Mu­se­ums West­fa­len Dors­ten, der Kunst­hal­le Em­den und der Bi­blio­thek im Ar­chiv der so­zia­len De­mo­kra­tie der Fried­rich-Ebert-Stif­tung Bonn erst­mals die Be­stän­de des Mu­se­ums Syn­ago­ge Gröb­zig auf ih­re Pro­ve­ni­en­zen un­ter­sucht. Der Syn­ago­gen­kom­plex muss­te 1934 von der jü­di­schen Ge­mein­de an die Stadt Gröb­zig über­ge­ben wer­den, die in den Räu­men ein Hei­mat­mu­se­um ein­rich­te­te.

Seit 2008 för­dern Bund und Län­der Pro­jek­te zur Pro­ve­ni­enz­for­schung im Be­reich NS-Raub­gut, bis heu­te mit ins­ge­samt 34,7 Mil­lio­nen Eu­ro. Mit dem Geld konn­ten bis­lang 358 Pro­jek­te rea­li­siert wer­den. Na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal ist das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te in Mag­de­burg der zen­tra­le An­sprech­part­ner zu al­len Fra­gen un­recht­mä­ßig ent­zo­ge­nen Kul­tur­gu­tes. An­trä­ge für län­ger­fris­ti­ge Pro­jek­te kön­nen je­weils bis zum 1. Ja­nu­ar und 1. Ju­ni ei­nes Jah­res ein­ge­reicht wer­den. Das Deut­sche Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te för­dert nicht nur For­schungs­pro­jek­te, es do­ku­men­tiert dar­über hin­aus Kul­tur­gut­ver­lus­te auch in sei­ner öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Da­ten­bank „Lost Art“ als Such- und Fund­mel­dun­gen.

Über­sicht der ge­för­der­ten Pro­jek­te (PDF, 182 KB)

Pres­se­mit­tei­lung: Deut­sches Zen­trum Kul­tur­gut­ver­lus­te be­wil­ligt in der ers­ten För­der­run­de 2020 rund 2,87 Mil­lio­nen Eu­ro für 25 Pro­jek­te der Pro­ve­ni­enz­for­schung im Be­reich „NS-Raub­gut“ (PDF, 192 KB)


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