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NS-Raubgutsuche in vier hessischen Museen- Auch Fulda unter der Lupe

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Osthessen News 8 February 2022

08.02.22 - Der Hessische Museumsverband (HMV) führt ab dem 1. Februar erstmals einen Erstcheck zu NS-Raubgut in vier hessischen Museen durch. Ziel ist es, die Museumsbestände in den Museen in Bad Wildungen, Eschwege, Fulda und Reinheim durch eine Provenienzforscherin auf jüdischen Vorbesitz zu überprüfen. Das sechsmonatige Projekt wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.

Der Erstcheck ist eine bewährte Methode der Provenienzforschung, um verdächtige Provenienzen in den Sammlungen überhaupt aufzudecken und den weiteren Forschungsbedarf abzuklären. "Für unseren Erstcheck haben wir Museen ausgewählt, die ihre Sammlungen in der NS-Zeit erweitert und zwischen 1933 und 1945 zahlreiche Objekte erhalten haben", sagt Dr. Saskia Johann, Referentin für Provenienzforschung beim HMV. Bei den teilnehmenden Museen handelt es sich im Einzelnen um das Stadtmuseum Bad Wildungen, das Stadtmuseum Eschwege, das Vonderau Museum in Fulda und das Heimatmuseum Reinheim.

HMV beauftragt Provenienzforscherin

Die Berliner Historikerin und Provenienzforscherin Dr. Marlies Coburger wird den Erstcheck in den vier Museen durchführen. Bis Projektende am 31. Juli 2022 wird sie in den Museen Aktenmaterial sichten und in den Sammlungen die Objekte auf Hinweise zu ihrer Herkunft untersuchen. Ein Schwerpunkt bildet dabei die Suche nach Objekten, die der jüdischen Bevölkerung gehörten. Es werden aber auch weitere Opfergruppen des NS-Regimes wie Freimaurer, Zwangsarbeiter*innen oder politische Gegner*innen in den Blick genommen. Die Museen erhalten abschließend einen Ergebnisbericht mit Empfehlungen für die weiteren Recherchen.

Der HMV koordiniert und organisiert den Erstcheck. Für den Verband ist es das erste eigene Provenienzforschungsprojekt und der erste Erstcheck in Hessen. "Unser Ziel ist es, die Museen zur Erforschung ihrer Sammlungen zu ermutigen und die Erkenntnisse in die aktive Arbeit der Museen vor Ort einfließen zu lassen. Durch die aus Mitteln des Landes Hessen geschaffene Stelle unserer Referentin für Provenienzforschung können wir nun auch organisatorisch solche Projekte koordinieren", so Christina Reinsch, Geschäftsführerin des HMV.

Erstcheck als Einstieg in die Provenienzforschung

Verbandsvorsitzende Dr. Birgit Kümmel sieht über diesen Ansatz große Chancen, insbesondere kleinere Museen bei der Suche nach NS-Raubgut zu unterstützen.  "Aus unserer Umfrage vom letzten Jahr wissen wir, dass diese meist aufgrund des Mangels an Personal, Zeit und Geld Provenienzforschung nicht proaktiv betreiben können. Erstchecks sind für viele Museen daher ein Einstieg in die Provenienzforschung." Mit dieser Methode wurden bereits in Bayern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen über 80 Museen mit großem Erfolg auf NS-Raubgut untersucht und Nachfolgeprojekte angestoßen.  

Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste fördert den Erstcheck und übernimmt die gesamten Kosten des Projektes. Die Stiftung wurde 2015 von Bund, Län­dern und den drei kom­mu­na­len Spit­zen­ver­bän­den gegründet und finanziert bundesweit Provenienzforschungsprojekte in Museen, Archiven und Bibliotheken. Die Einrichtung befasst sich sowohl mit NS-Raubkunst, der Aufarbeitung der in der ehemaligen sowjetischen Besatzungszone und der DDR entzogenen Kulturgüter als auch mit Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten und kriegsbedingt verlagerten Kulturgütern.

 

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