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Land gibt Trübner-Gemälde an Erben zurück

1998
1970
1945
State of Baden-Württemberg 18 July 2022

Baden-Württemberg gibt das Gemälde „Student Michaelis mit Papierrolle“ von Wilhelm Trübner an die Erben des jüdischen Industriellen und Kunstsammlers Carl Sachs zurück. Das Gemälde war dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg als Dauerleihgabe überlassen worden.


v.l.n.r.: Rechtsanwältin Dr. Imke Gielen, Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Prof. Dr. Frieder Hepp, Direktor des Kurpfälzischen Museums Heidelberg

Das Land Baden-Württemberg restituiert das Gemälde von Wilhelm Trübner „Student Michaelis mit Papierrolle“ an die Erben des jüdischen Industriellen und Kunstsammlers Carl Sachs aus Breslau. Das im Jahr 1989 angekaufte Trübner-Gemälde war dem Kurpfälzischen Museum Heidelberg als Dauerleihgabe überlassen worden.

Land ist sich seiner historischen Verantwortung bewusst

„Das Land Baden-Württemberg ist sich seiner historischen Verantwortung bewusst, Kulturgüter, die den Verfolgten des Nazi­regimes entzogen worden sind, zu ermitteln und zurückzugeben. Ich freue mich deshalb sehr, dass wir aufgrund der gut erforschten Provenienz rasch zu einer Entscheidung über die Rückgabe des Trübner-Gemäldes an die Erben von Carl und Margarethe Sachs kommen konnten“, sagte Kunstministerin Theresia Bauer am Montag, 18. Juli 2022, in Stuttgart bei der Restitution des Gemäldes.

Bereits 2021 hat das Land das Gemälde „Schwarzwaldlandschaft“ von Hans Thoma aus dem Bestand der Kunsthalle Karlsruhe, das ebenfalls aus der Kunstsammlung von Carl Sachs stammt, an dessen Erben restituiert. Nachdem die Verfolgungsgeschichte der Familie Sachs in diesem Kontext bereits umfassend aufgearbeitet worden war, konnte hier direkt angeknüpft werden.

„Unrecht kann nicht ungeschehen gemacht werden. Ich bin daher froh, dass wir durch eine weitere Rückgabe wenigstens zur materiellen Wiedergutmachung des begangenen Unrechts beitragen können“, so die Ministerin weiter. Es sei dem Land Baden-Württemberg ein großes Anliegen, sämtliche Kulturgüter in Landesbesitz, die den Verfolgten der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entzogen worden sind, zu ermitteln und zurückzugeben.

Provenienzforschung erheblich intensiviert

„Deshalb haben wir die Provenienzforschung in den staatlichen Museen, im Landesarchiv und in der Archivverwaltung sowie in den beiden Landesbibliotheken in Karlsruhe und Stuttgart im letzten Jahrzehnt erheblich intensiviert“, so Bauer. Seit Ende 2009 beschäftigt das Land drei Wissenschaftlerinnen im Bereich der Provenienzforschung. Dank der systematischen Provenienzforschung in Baden-Württemberg konnte die Provenienz für eine sehr große Zahl an Objekten bereits verlässlich aufgeklärt werden.

Rechtsanwältin Imke Gielen von der Kanzlei von Trott zu Solz Lammek in Berlin, die die Familie Sachs vertritt, erklärte: „Die Erben der Familie Sachs begrüßen die fortgesetzte Bereitschaft des Landes Baden-Württemberg, ein weiteres Werk zurückzugeben, zu dessen Veräußerung sich Carls Sachs nach seiner Emigration in die Schweiz gehalten sah.“

Das Gemälde „Student Michaelis mit Papierrolle“ stammt aus der ehemaligen Kunstsammlung des jüdischen Industriellen und Kunstsammlers Carl Sachs in Breslau. Mit dem aufkommenden Nationalsozialismus wurde das jüdische Leben in Breslau bereits früh massiv eingeschränkt. Auch Carl Sachs und seine Ehefrau Margarethe waren persönlich von Diskriminierung und Verfolgung betroffen.

Im Februar 1939 gelang es Carl Sachs – er 81 Jahre alt, seine Frau schwer erkrankt – ohne relevante Barmittel in die Schweiz zu emigrieren, wo seine Frau bereits 1940 verstarb. Da eine Erwerbstätigkeit in der Schweiz schon aufgrund seines fortgeschrittenen Lebensalters nicht mehr möglich und jeglicher Zugriff auf die in Deutschland verbliebenen Vermögenswerte ausgeschlossen war, konnte Carl Sachs seinen Lebensunterhalt in Basel nur durch Beleihung und Verkauf seiner zuvor dorthin verbrachten Kunstsammlung sichern. Zu diesem Zweck verkaufte er auch das Gemälde „Student Michaelis mit Papierrolle“ von Wilhelm Trübner – ein halbes Jahr vor seinen Tod – im Mai 1943 in Luzern.

Dauerstellen für die Provenienzforschung

Mit der Verstetigung der Stellen an der Staatsgalerie Stuttgart, am Badischen Landesmuseum und an der Staatlichen Kunsthalle in Karlsruhe war Baden-Württemberg bundesweit das erste Land, das an drei kulturbewahrenden Einrichtungen Dauerstellen für die Provenienzforschung eingerichtet hat. Dadurch konnte eine deutliche Professionalisierung der Forschung in Baden-Württemberg erreicht und zahlreiche Provenienzen konnten aufgeklärt werden.


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