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Klassik Stiftung Weimar restituiert Bücher an Erben von Julius Wahle |Stolpersteinverlegung in Dresden

1998
1970
1945
Klassik Stiftung Weimar 23 September 2022
(English translation below)
Die Klassik Stiftung Weimar hat 13 Bücher aus dem früheren Eigentum von Prof. Dr. Julius Wahle, Literaturwissenschaftler und ehemaliger geschäftsführender Leiter des Goethe- und Schiller- Archivs Weimar, an seine Erben restituiert. Zwei der Bücher wurden zurückgegeben, die restlichen wurden der Klassik Stiftung schenkweise überlassen und befinden sich jetzt rechtmäßig im Bestand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Im Rahmen der Restitution werden heute, am 23.9.2022, in Dresden Stolpersteine für ihn und seine vier in Auschwitz ermordeten Familienmitglieder verlegt.

Im Zuge der Recherchen zu NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgütern in den Beständen der Klassik Stiftung wurde festgestellt, dass die Thüringische Landesbibliothek Weimar (ThLB) im September 1936 eine Bücherschenkung von Julius Wahle erhielt, von denen heute noch 13 Bände nachgewiesen werden konnten.

Der Literaturwissenschaftler Julius Wahle (15.2.1861–7.11.1940) war jüdischer Herkunft. Er wirkte von 1886 an als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Goethe- und Schiller-Archiv und war von 1920 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1928 dessen geschäftsführender Leiter. Die Schenkung Julius Wahles an die ThLB erfolgte in unmittelbarem Zusammenhang mit seinem Wegzug aus Weimar im September 1936; sie ist nach den Grundsätzen der Washingtoner Prinzipien von 1998 als NS-verfolgungsbedingt zu bewerten. Julius Wahle lebte in den folgenden Jahren bei seiner Nichte Elsa Hirschel und deren Familie in Dresden und starb dort im November 1940 eines natürlichen Todes. Seine Nichte, deren Mann und ihre beiden Söhne wurden 1944 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.

Entsprechend den Washingtoner Prinzipien sucht die Klassik Stiftung Weimar in solchen Fällen gemeinsam mit den Erben nach gerechten und fairen Lösungen. Die Ermittlung der Rechtsnachfolger war langwierig, da Julius Wahle selbst keine Kinder hatte und der überwiegende Teil auch seiner entfernteren Familie den Holocaust nicht überlebt hat. Lediglich eine Nichte konnte sich der Verfolgung durch Emigration in die USA entziehen, starb dort aber ebenfalls ohne Nachkommen oder Testament.

Erst mit Hilfe der Commission for Looted Art in Europe konnten Angehörige ausfindig gemacht werden. Mit deren Hilfe konnte der Stammbaum der Nichte rekonstruiert und die nächsten Verwandten als Erben festgestellt werden.

Mit diesen einigte sich die Stiftung bereits im Frühjahr 2022 über die Rückgabe und Teilschenkung der Bücher. Zusätzlich übernimmt die Klassik Stiftung Weimar die Patenschaft für Stolpersteine in Dresden für Julius Wahle sowie seine vier in Auschwitz ermordeten Familienmitglieder.

Die Verlegung der Stolpersteine findet am Freitag, 23.9.2022, an der Stelle des ehemaligen Wohnhauses seiner Nichte, in der Wiener Straße 85, in Dresden statt.
English translation

The Klassik Stiftung Weimar has restituted13 books from the former property of Prof. Dr. Julius Wahle, literary scholar and former director of the Goethe and Schiller Archive Weimar, to his heirs. Two of the books were returned, the rest were donated to the Klassik Stiftung and are now held by the Duchess Anna Amalia Library. As part of the restitution, Stolpersteine for him and his four family members who were murdered in Auschwitz will be laid in Dresden today, September 23, 2022.

In the course of research on cultural assets confiscated as a result of Nazi persecution in the holdings of the Klassik Stiftung, it was determined that the Thuringian State Library Weimar (ThLB) received a book gift from Julius Wahle in September 1936, of which 13 volumes can still be found today.

The literary scholar Julius Wahle (February 15, 1861–November 7, 1940) was of Jewish descent. From 1886 he worked as a research assistant in the Goethe and Schiller Archive and was its managing director from 1920 until his retirement in 1928. Julius Wahle's donation to the ThLB was made in direct connection with his departure from Weimar in September 1936; according to the principles of the Washington Principles of 1998, this should be assessed as related to Nazi persecution. In the years that followed, Julius Wahle lived with his niece Elsa Hirschel and her family in Dresden, where he died of natural causes in November 1940. His niece, her husband and their two sons were murdered in 1944 in the Auschwitz death camp.

In accordance with the Washington Principles, the Klassik Stiftung Weimar works with the heirs to seek just and fair solutions in such cases. Identifying the legal successors was a lengthy process, since Julius Wahle had no children himself and most of his more distant family did not survive the Holocaust. Only one niece was able to escape persecution by emigrating to the USA, but she also died there without issue or a will.

Relatives could only be found with the help of the Commission for Looted Art in Europe. With their help, the niece's family tree could be reconstructed and the next of kin identified as heirs.

The Foundation reached an agreement with them in spring 2022 on the return and partial donation of the books. In addition, the Klassik Stiftung Weimar is sponsoring Stolpersteine ​​in Dresden for Julius Wahle and his four family members who were murdered in Auschwitz.

The laying of the Stolpersteine will take place on Friday, September 23, 2022, on the site of his niece's former home at Wiener Straße 85 in Dresden.

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