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'Gesammelt, gehandelt, geraubt. Kunst in Frankfurt und der Region zwischen 1933 und 1945'

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Title

Gesammelt, gehandelt, geraubt. Kunst in Frankfurt und der Region zwischen 1933 und 1945

Author

Evelyn Brockhoff und Franziska Kiermeier (Hrsg.)

Date

April 2019

Description




Diese Publikation trägt erstmals die Ergebnisse der Provenienzforschung mehrerer wichtiger Museen Frankfurts und der Rhein-Main-Region zusam- men. Sie nimmt zentrale Aspekte der Raub- und Zwangsenteignung wäh- rend der NS-Herrschaft in den Blick“, betont Dr. Evelyn Brockhoff. Die Lei- tende Direktorin des Instituts für Stadtgeschichte und geschäftsführende Vorsitzende der Gesellschaft für Frankfurter Geschichte e. V. hat gemein- sam mit Franziska Kiermeier, Leiterin der Abteilung „Zeitgeschichte und Gedenken“ im Institut und Schatzmeisterin der Gesellschaft das Buch „Ge- sammelt, gehandelt, geraubt. Kunst in Frankfurt und der Region zwischen 1933 und 1945“ herausgegeben und vorgestellt. Franziska Kiermeier er- gänzt: „Es gab ein enormes Forschungsdesiderat, dessen Behebung die Museen in den vergangenen Jahren zielgerichtet angegangen sind. Das macht unser Buch deutlich.“

In 16 Beiträgen beleuchten profilierte Provenienzforscherinnen und -forscher sowie Historiker und Kunsthändler die Mechanismen, Akteure, Opfer und Profiteure im Frankfurter und regionalen Geschäft mit der „NS- Raubkunst“. Entstanden ist eine breitangelegte Frankfurter Gesamtschau zu dieser Thematik, die den aktuellen Forschungsstand zusammenfasst.

Prof. Dr. Uwe Schneede, langjähriger Leiter der Hamburger Kunsthalle und bis 2017 Vorstand der Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste, nimmt die Provenienzforschung retrospektiv in den Blick und stellt ihre Entwicklung seit der Washingtoner Erklärung 1998 dar. Im Anschluss gibt Isabel von Klitzing, freiberufliche Provenienzforscherin aus Kronberg, eine praxisorientierte Einführung in die Thematik. Beide Aufsätze ergänzt ein Beitrag von Dr. Christoph Andreas, Inhaber der Frankfurter Kunsthandlung J.P. Schneider jr., der die spezifischen Herausforderungen an den Kunst- handel kritisch diskutiert. „Die nationalsozialistische Kulturpolitik“ von Dr. Jörg Osterloh, Historiker am Fritz Bauer Institut Frankfurt, beschließt das einführende Kapitel.

Das zweite Kapitel widmet sich den zwei wichtigsten Gruppen des Kunstbe- triebes: den Kunsthändlern und -sammlern. Einführend gibt die Frankfurter Provenienzforscherin Maike Brüggen anhand von Einzelportraits einen Einblick in die vielfältige und vitale Händlerszene vor 1933. Dr. Anja Heuß, seit Beginn dieses Jahres Provenienzforscherin im Goethe-Haus, beleuchtet die Machenschaften des Kunsthändlers Wilhelm Ettle, einem der Profiteure des NS-Kunstbetriebs. Für die Sammlerszene steht exemplarisch ihr wichtigster Vertreter, der Offenbacher Lederfabrikant Robert von Hirsch, dessen Leben im Spannungsfeld von erlittenem zeitgeschichtlichem Schicksal und außer- gewöhnlicher Kennerschaft der Publizist und Ausstellungsmacher Dr. Andreas Hansert nachzeichnet.

Das zentrale Kapitel des Bandes beschreibt die Erwerbungs- und Samm- lungspolitik ausgewählter Museen ab 1933. Beginnend schildert Dr. Iris Schmeisser, Leiterin der Provenienzforschung und des Historischen Archivs des Städel Museums, anhand der Herkunft zweier Objekte die Geschichte des Städelschen Kunstinstituts und der Städtischen Galerie während der NS-Zeit. Anna Heckötter, seit Sommer 2018 Provenienzforscherin beim Landschaftsverband Rheinland, stellt einzelne Erwerbungsgeschichten aus dem Liebieghaus vor, die das Handeln der Akteure offenlegen. Dr. Kathari- na Weiler, mit der Provenienzforschung am Museum Angewandte Kunst be- traut, schildert das Schicksal der Sammlung Goldschmidt-Rothschild, in welchem sich der Lebensweg des jüdischen Sammlers während des Natio- nalsozialismus und die städtische Museumspolitik in dieser Zeit zeigt. So- wohl Dr. Ulrike Schmiegelt-Rietig, Provenienzforscherin an der Zentralen Stelle für Provenienzforschung, als auch Dr. Jürgen Steen, langjähriger Kustos am Historischen Museum Frankfurt, beschäftigen sich mit dem Kunsthistoriker Ernstotto Graf zu Solms-Laubach. Schmiegelt-Rietig kon- zentriert sich auf seine ambivalente Arbeit als Kunstschutzoffizier zwischen Kunstschutz, illegaler Aneignung und Museumsalltag in Russland. Steen beleuchtet die „Silbererwerbungen des Historischen Museums nach dem 9. November 1938“, in die Solms-Laubach als Direktor des Stadtgeschichtli- chen Museums involviert war.

Mit der „Sammelstrategie des Deutschen Ledermuseums in der NS-Zeit“ blickt die Historikerin Beatrix Piezonka, derzeit am Museum im Kulturspei- cher Würzburg, über die Frankfurter Stadtgrenzen hinaus und schildert den überaus großen Sammlungszuwachs des Offenbacher Ledermuseums als zweifelhaften Erfolg des umtriebigen Direktors Hugo Eberhardt. Drei Ob- jektkonvolute des Landesmuseums Mainz, die als Überweisungen der Reichsfinanzverwaltung zwischen 1941 und 1944 ins Museum kamen, un- tersucht die Historikerin Emily Löffler, die dort als wissenschaftliche Mitar- beiterin für Provenienzforschung beschäftigt ist. Die beiden abschließenden Beiträge lenken den Blick nach Wiesbaden, wo Hermann Voss ab 1935 als Direktor der Gemäldegalerie ein weitverzweigtes Netzwerk spannte. Dr. Peter Forster, Kustos und Leiter der Provenienzforschung am Landesmuse- um Wiesbaden, beleuchtet Voss‘ Wirken. Miriam Olivia Merz, Provenienzforscherin an der Zentralen Stelle für Provenienzforschung in Hessen, illus- triert anhand einer gotischen Madonna aus der Sammlung Katzenstein, wie die persönlichen und institutionellen Kontakte bei der „Verwertung“ jüdi- schen Eigentums funktionierten.

Der Publikation liegt die außerordentlich gut besuchte, gleichnamige Vor- tragsreihe zugrunde, die das Institut für Stadtgeschichte und die Gesell- schaft für Frankfurter Geschichte e. V. 2016/2017 veranstaltet haben. Der Band vereint die Vorträge der Reihe und wurde um weitere Beiträge er- gänzt. Die 254-seitige, umfassend bebilderte Publikation erschien im Socie- täts-Verlag, Frankfurt am Main (ISBN-13: 978-3-95542-314-8). Das Buch ist im Buchhandel, im Institut für Stadtgeschichte und über den Verlag für 30 Euro erhältlich.

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Das Frankfurt der 1920er Jahre war eine pulsierende Kunst- und Kulturstadt, in der zahlreiche Kunstsammler und große Museen einen florierenden Kunsthandel beförderten. Dieser Blütezeit setzten ab 1933 die Nationalsozialisten ein jähes Ende. Das NS-Regime schuf einen neuen Kunstbetrieb, der jüdische Künstler, Sammler und Händler radikal ausgrenzte und damit eine Lücke für Profiteure produzierte.

Der AFGK-Band richtet den Blick auf die damaligen Protagonisten des Kunstbetriebs in Frankfurt und der Region. 16 Beiträge beleuchten sowohl zentrale Aspekte der Raub- und Zwangsenteignung während der NS-Herrschaft als auch die spezielle Rolle einzelner Personen und Häuser, darunter Städel-Museum und Liebieghaus. Neben profilierten Provenienzforscherinnen und -forschern kommen Historiker und Kunsthändler zu Wort.

Herausgegeben von der Frankfurter Gesellschaft für Geschichte e.V. in Verbindung mit dem Institut für Stadtgeschichte.

Mit Beiträgen von:

  • Christoph Andreas (NS-Raubkunst im Kunsthandel)
  • Maike Brüggen (Frankfurter Kunsthandel 1933 – 1945)
  • Peter Forster (Netzwerk Hermann Voss)
  • Andreas Hansert (Der jüdische Sammler Robert von Hirsch)
  • Anna Heckötter (Die Liebieghaus Skulpturensammlung 1933 – 1945)
  • Anja Heuß (Der Kunsthändler Wilhelm Ettle)
  • Isabel von Klitzing (Einführung in die Provenienzforschung)
  • Emily Löffler (Überweisungen der Reichsfinanzverwaltung im Landesmuseum Mainz)
  • Miriam Olivia Merz (Erwerbungen aus der Sammlung Katzenstein)
  • Jörg Osterloh (Die nationalsozialistische Kulturpolitik)
  • Beatrix Piezonka (Die Sammelstrategie des Deutschen Ledermuseums in der NS-Zeit)
  • Iris Schmeisser (Zwei Gemälde und ihre Geschichte, das Städel Museum 1933 – 1945)
  • Ulrike Schmiegelt-Rietig (Museumsdirektor Ernstotto Graf zu Solms-Laubach)
  • Uwe M. Schneede (Kleine Geschichte der aktuellen Provenienzforschung)
  • Jürgen Steen (Die Silbererwerbungen des Historischen Museums nach dem 9. November 1938)
  • Katharina Weiler (Die Sammlung Maximilian von Goldschmidt-Rothschilds und das Museum Angewandte Kunst)

Bestellinformationen
Frankfurt am Main 2019
Societäts-Verlag
ISBN-13: 978-3-95542-314-8
Preis: 30,00 €

Source

Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Band 78

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