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Kunsthalle Bremen gibt erneut Raubkunst zurück - Kunsthalle Bremen once again returns Nazi-looted art

1970
1945
Weser Kurier 5 June 2014
Von Uwe Dammann

Die Bremer Kunsthalle hat eine Zeichnung des italienischen Barockkünstlers Francesco Trevisani, die als sogenannte Raubkunst gilt, an die Erben des jüdischen Sammlers Michael Berolzheimer zurückgegeben. Anschließend wurde das Werk von der Kunsthalle von den Erben für die eigene Sammlung zurückgekauft.


Die Zeichnung „Madonna mit Kind“ von Francesco Trevisani gilt als Raubkunst.

Bremen - Bereits vor einem Jahr hatte der Kunstverein eine Zeichnung von Giacomo Cavedone an die Erben von Michael Berolzheimer restituiert. Dieses Bild war damals aufgrund eigener Recherchen der Kunsthalle Bremen dem ursprünglichen Eigentümer Berolzheimer zugeordnet worden.

Seit zwei Jahren kümmert sich die Provenienzforscherin Brigitte Reuter um die Suche nach rechtmäßigen Besitzern von Bildern aus dem Bestand der Kunsthalle, deren Herkunft nicht geklärt ist (wir berichteten). Im vorigen Jahr fand Reuter bei vier Zeichnungen eindeutige Hinweise auf die unrechtmäßige Aneignung während der NS-Zeit.

Drei Zeichnungen wurden dem jüdischen Industriellen und Kunstsammler Michael Berolzheimer vor der Emigration in die USA für eine sehr geringe Summe abgenommen, eine Zeichnung dem jüdischen Sammler Siegfried Lämmle aus München. Diesmal waren allerdings Hinweise von Seiten der Erben Michael Berolzheimers der Ausgangspunkt für die Rückgabe. Michael Berolzheimer (1866 bis 1942) war ein bekannter Kunstsammler, der in Untergrainau bei Garmisch Partenkirchen lebte. Jahrelang war er ehrenamtliches Mitglied der Ankaufskommission der Alten Pinakothek und der Staatlichen Grafischen Sammlung München. Seine Sammlung von Handzeichnungen umfasste mehr als 800 Blätter Alter Meister und Arbeiten des 19. Jahrhunderts sowie 600 druckgrafische Blätter. Berolzheimer war als Jude im Nazi-Regime massiven Repressalien ausgesetzt und emigrierte 1938 in die USA. Dabei musste er große Teile seines Besitzes und seiner Kunstsammlung in Deutschland zurücklassen. Auch die Handzeichnungen, darunter die Bilder von Giacomo Cavedone und Francesco Trevisani, gehörten zu den Bildern, die von den Nazis eingezogen wurden.

Sie wurden daraufhin am 9. und 10. März 1939 im Münchner Auktionshaus Adolf Weinmüller versteigert. Zwei Quellen belegen, dass das betreffende Blatt „Madonna mit Kind in einer Zierkartusche“ von Franceso Trevisani von den Münchner Kunsthändlern Ackermann & Sauerwein auf dieser Auktion zum Preis von 15 Reichsmark ersteigert wurde. Das geht zum einen aus dem jüngst im Auktionshaus aufgefundenen Auktionskalender aus jener Zeit hervor, in dem Einlieferer, Käufer und Preis enthalten sind. Zum anderen gibt es einen Brief, den der Anwalt der Erben Berolzheimer, Dr. Alfred Holl, bereits 1948 an den Münchener Collecting Point geschrieben hat. Der Central Art Collecting Point war die in der Nachkriegszeit von der US-Militärregierung in München eingerichtete zentrale Sammelstelle für aufgefundene Kunstwerke des nationalsozialistischen Kunstraubs. Er bestand bis zum September 1949. Weitere bedeutende Collecting Points gab es in Wiesbaden und Offenbach.

Laut Inventarbuch und Ankaufsakten der Bremer Kunsthalle wurde die Zeichnung – ohne Preisangabe – 1950 bei Ackermann & Sauerwein in München erworben. Die Eingangsunterlagen enthielten jedoch keinerlei Hinweise auf die ursprüngliche Herkunft aus der Sammlung Berolzheimer. Dass sich die vermisste Zeichnung tatsächlich in Bremen befindet, hatten die Erben von Michael Berolzheimer, vertreten durch das Holocaust Claims Processing Office, herausgefunden. Nachdem zweifelsfrei festgestellt worden war, dass es sich bei dem Werk aus der Kunsthalle um eine Zeichnung aus der Sammlung Berolzheimer handelte, entschloss sich der Kunstverein, als Träger der Kunsthalle, die Kunstwerke an die Erben zurückzugeben.

Anschließen einigte sich der Kunstverein mit den Erben Berolzheimer, dass die beiden Zeichnungen mit Mitteln aus der Schenkung Mathilde und Fritz Müller-Arnecke für die eigene Sammlung zurückerworben werden. Zwei weitere Handzeichnungen aus der Sammlung Berolzheimer werden vom Kunstverein Bremen seit 1945 als kriegsbedingte Kulturgutverluste weiterhin vermisst. Falls man sie zurückerhalten würde, sollen sie ebenfalls an die Erben Berolzheimer zurückerstattet werden.

 

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