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Steuergelder für Gurlitt-Erbe? - Taxpayers' money for Gurlitt bequest?

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Berner Zeitung 18 August 2014
 

Das Kunstmuseum Bern könnte bei einer allfälligen Übernahme der Kunstsammlung Gurlitt mit Steuergeldern unterstützt werden.


Denkbar ist, dass die gefundenen Kunstwerke von Gurlitts österreichischem Haus in seine Münchner Wohnung gebracht wurden: Das Namensschild von Cornelius Gurlitt an seinem Haus in Salzburg.

Die Berner Kantonsregierung will nicht von vornherein ausschliessen, dass sie das Kunstmuseum Bern bei einer allfälligen Übernahme der Kunstsammlung Gurlitt mit Steuergeldern unterstützt. Zuerst will die Regierung mehr über die geheimnisumwitterte Sammlung wissen.

Der im Frühjahr verstorbene deutsche Kunstsammler Cornelius Gurlitt hatte seine umfangreiche Kunstsammlung überraschend dem Kunstmuseum Bern vermacht. Ein Teil der mutmasslich millionenschweren Sammlung steht allerdings unter Raubkunstverdacht. Das Kunstmuseum Bern prüft nun bis Ende Jahr, was die Sammlung genau umfasst und ob es das nicht ganz einfache Erbe antreten will.

Die Übernahme des Legats dürfte mit erheblichen finanziellen Folgen verbunden sein, da insbesondere die Herkunft der Objekte lückenlos geklärt werden muss. Die Sammlung Gurlitt könnte sich als Fass ohne Boden erweisen, so eine weitverbreitete Befürchtung.

BDP-Grossrat Samuel Leuenberger will deshalb den Regierungsrat mit einem Vorstoss verpflichten, keine Steuer- oder Lotteriegelder und auch keine personellen Ressourcen in die Angelegenheit zu stecken - weder für die Übernahme der Bilder noch für juristische Auseinandersetzungen. Das Parlament müsse dies schon früh und unmissverständlich signalisieren.

«Entscheid wäre verfrüht»

So einfach will sich die Regierung aber nicht verpflichten lassen. Immerhin werden in der Sammlung Werke von Max Beckmann, Marc Chagall, Otto Dix, Ernst Ludwig Kirchner, August Macke, Franz Marc, Henri Matisse, Claude Monet, Emil Nolde und Pablo Picasso vermutet, wie der Regierungsrat in seiner Antwort grosse Namen der klassischen Moderne aufzählt.

Umfang und Gehalt der Sammlung würden derzeit noch immer abgeklärt, heisst es in der regierungsrätlichen Antwort weiter. Solange noch keine gesicherten Fakten vorlägen, wäre ein Entscheid dieser Tragweite verfrüht.

Je nach Ergebnis der Abklärungen durch das Kunstmuseum sollte aus Sicht des Regierungsrats ein Engagement des Kantons - unter Berücksichtigung der finanziellen Möglichkeiten - nicht einfach ausgeschlossen werden. Eine ablehnende Haltung könnte eine negative Signalwirkung haben auf weitere potenzielle Finanzträger, Gönner und Donatoren, gibt der Regierungsrat zu bedenken.

Er empfiehlt dem Parlament deshalb, Leuenbergers Vorstoss in Form eines unverbindlichen Postulats zu überweisen. Der Grosse Rat wird voraussichtlich in der Septembersession darüber befinden.

Kauziger Kunsthändlerssohn


Der im Mai im Alter von 81 Jahren verstorbene Cornelius Gurlitt war der Sohn von Adolf Hitlers Kunsthändler, Hildebrand Gurlitt. Nach dem Tod des Vaters hütete der als kauzig geltende Cornelius Gurlitt den Kunstschatz eifersüchtig und hielt ihn geheim.

Gurlitt war im Herbst 2011 zufällig ins Visier der Justiz geraten. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung stiessen die Ermittler im Februar 2012 auf über tausend Meisterwerke, von denen viele seit dem Zweien Weltkrieg als verschollen gegolten hatten. Die Presse feierte den Fund als Weltsensation.

Die Behörden beschlagnahmten die Bilder wegen Verdachts auf Vermögens- und Steuerdelikte. Von den Werken könnten mehrere hundert in die Kategorie Nazi-Raubkunst fallen.

Erst wenige Wochen vor seinem Tod hatten Gurlitt und die deutschen Behörden eine Einigung gefunden. Gurlitt sicherte zu, die millionenschwere Sammlung von Experten untersuchen zu lassen.

Die unter Nazi-Raubkunstverdacht stehenden Gemälde werde er gegebenenfalls zurückgeben, willigte er ein. Die Behörden gaben die Werke daraufhin wieder frei.

 

http://www.bernerzeitung.ch/region/bern/Steuergelder-fuer-GurlittErbe/story/31243607
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