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Zu Spottpreisen an Nazis und ihre Familien verkauft - Sold at Bargain Prices to Nazis and their Families

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Deutschlandradio Kultur 1 July 2016

Die ZEIT kann es aber auch niveauvoller, zum Beispiel in Tobias Timms Interview zum deutschen Umgang mit Raubkunst. "Die Museen verhalten sich wie Kinder im Sandkasten, die brüllen: Das ist meins!", sagt John Graykowski aus Washington, der für die Rückgabe der Kunst kämpft, die sein jüdischer Urgroßvater Gottlieb Kraus auf dem Weg ins Exil zurücklassen musste, deren sich die Nazis bemächtigten und die später in deutschen Museen landete, wo sie eigentlich an die rechtmäßigen Besitzer oder Erben zurückgegeben werden sollte.

Timm interviewt zugleich Anne Webber von einer Organisation, die Restitutionsverfahren aushandelt und auch für Graykowski tätig ist. Webber habe herausgefunden, dass die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Kunst aus dem Besitz von Gottlieb Kraus "nach dem Krieg zu Spottpreisen an ehemalige Nazis oder deren Familien" verkauft hätten anstatt sie zurückzugeben: Eine Käuferin sei Henriette Hoffmann-von Schirach gewesen, Hitlers ehemalige Sekretärin. Ein Gemälde habe sie für nur 300 Mark erworben. Nur ein Jahr darauf soll es der Xantener Dombauverein für 16.100 Mark in einem Kölner Auktionshaus ersteigert haben.

Der katholische Verein habe auf den Rückerstattungsantrag durch den Erben erst gar nicht reagiert und später behauptet, als nichtstaatliche Organisation nicht zur Restitution verpflichtet zu sein. "Das hätten wir von einer katholischen Kirche, die in Xanten besonders auf ihre nazikritische Haltung im Zweiten Weltkrieg stolz ist, wirklich nicht erwartet", sagt Restitutionsexpertin Anne Webber im Gespräch mit Tobias Timm von der ZEIT.

http://www.deutschlandradiokultur.de/aus-den-feuilletons-sind-museen-wie-kinder-im-sandkasten.1059.de.html?dram:article_id=358713
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