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Sekretär ist Raubkunst - Desk is looted

1970
1945
Sueddeutsche Zeitung 15 October 2019
Von Catrin Lorch

Das Bayerische Nationalmuseum restituiert nun an Konrad Bernheimer. Unklar bleibt indes, woher das Geld für den umstrittenen Ankauf stammte.

Der Sekretär aus der Sammlung des vom NS-Regime enteigneten jüdischen Kunsthändlers Otto Bernheimer, der vor kurzem erst vom Bayerischen Nationalmuseum angekauft wurde, muss den Erben zurück gegeben werden. Staatsminister Bernd Sibler teilte dem Enkel Konrad Bernheimer mit, dass die Prüfung abgeschlossen sei. Das Lackmöbel ist als Raubkunst identifiziert worden und werde restituiert.

Der Ankauf und die schleppenden Recherchen des Museums waren von der Familie, aber auch von Opferorganisationen als skandalös empfunden worden. Kritisiert wurde nicht allein, dass sich die Bearbeitung des Gesuchs auf Rückgabe über Monate hinzog, sondern auch, dass ein renommiertes Haus heute noch ohne ausreichende Prüfung der Herkunft wertvolle Antiquitäten ankauft.

Ungeklärt bleibt, woher eigentlich das Geld für die aktuelle Akquise des Sekretärs stammte

Eine erste Klärung der Provenienz hatte die Familie Bernheimer selber in Auftrag geben müssen. Obwohl Konrad Bernheimer seit Jahrzehnten zu den Förderern des Hauses gehört und auch im Freundeskreis aktiv ist, wartete er monatelang vergebens auf eine Entschuldigung der Direktion des Museums. "Es fehlt am echten Willen zur Aufklärung", war das Fazit des ehemaligen Kunsthändlers, der sich zu dem Zeitpunkt aus dem Förderkreis zurückgezogen hatte.

Das Verhalten des Museums erscheint zudem fragwürdig, weil sich inzwischen auch herausgestellt hat, dass es zur NS-Zeit zutiefst in die Arisierung des Familienunternehmens verstrickt war und aus den Listen der Enteigner, die Sammlung und Geschäft der Familie geplündert hatten, für den eigenen Bestand ausgewählt hatte.

Ungeklärt ist auch, woher das Geld für die aktuelle Akquise des Sekretärs stammte. Das Möbel war für 100 000 Euro bei einem Händler in Bamberg angekauft worden, der nicht dem Berufsverband angehört und inzwischen sein Geschäft aufgelöst hat. Ob er in Haftung genommen werden kann, muss ermittelt werden. Zudem ist offen, wer die "Drittmittel", also Spenden, für den Ankauf stellte.

Für Minister Bernd Sibler, der die Abwicklung des stockenden Verfahrens wohl beschleunigt hat, bleibt noch einiges zu klären. Gut, dass er sich als Hüter der Museen des Freistaats in der Pflicht sieht: "Die Aufarbeitung des Unrechts der NS-Zeit sehe ich als eine fortdauernde ethische Verpflichtung, der wir aus voller Überzeugung und mit voller Kraft gerecht werden wollen und müssen", erklärte er in einem Schreiben seines Hauses.

https://www.sueddeutsche.de/kultur/bernheimer-moebel-sekretaer-ist-raubkunst-1.4641320
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